Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Die Rauhnächte: eine ambivalente Zeit

Rauhnacht, Nacht, Stille

Stille und Weite unter den Sternen. Bild: Carsten Przygoda/pixelio.de

Je nach Tradition und Sicht sind wir entweder mittendrin oder stehen kurz davor: Die Zeit der Rauhnächte. Es gibt verschiedenste Bräuche und Neo-Bräuche, wie etwa das Verbrennen von Wunschzetteln in jeder Nacht oder auch das, teils sehr reglementierte Räuchern zur Rauhnacht. Workshops werden angeboten, Online-Rauhnächte, mit einem Wort: es gibt fast nichts, was es nicht gibt, rund um diese ganz besondere Zeit im Jahr.

Doch schauen wir uns zunächst die Fakten an. Vermutlich verdanken wir die Entstehung der Rauhnächte keineswegs den Germanen sondern den Römern. Als die nämlich in Germanien ankamen, brachten sie auch ihren Kalender mit. Dieser unterschied sich von der germanischen Zeitvorstellung grundlegend. Die Germanen lebten nach dem Mond, buchstäblich, und die Römer nach der Sonne. Da die (scheinbaren) Umläufe beider Himmelskörper unterschiedlich sind, blieben also zwischen dem germanischen und dem römischen Jahr ein paar Tage übrig. Praktisch denkend wie sie waren, beschlossen die Germanen also, dass diese Tage, die zwischen die Jahre fallen, außerhalb der Zeit sein müssten. So wurden höchstwahrscheinlich die Rauhnächte geboren.

Wie man es auch nimmt: eine besondere Zeit

Was jetzt genau der historische Hintergrund ist, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Übrig bleibt: Die Rauhnächte, ja, die ganze Zeit nach dem letzten Neumond des alten, und dem neuen Neumond des neuen Jahres, ist eine ganz besondere Zeit. Die Natur liegt in tiefem Schweigen und auch wir können uns selbst heute noch nicht ganz der Tendenz zur Einkehr und Ruhe entziehen. Das ist für manche Menschen eine jährlich wiederkehrende Nemesis, doch es kann auch eine Einladung sein. Dazu nämlich, sich auf die Stille im Außen einzulassen und einmal dem Flüstern im eigenen Inneren zu lauschen. Im ersten Moment ungewohnt, vielleicht sogar beängstigend, doch wenn man sich darauf einlässt, sehr heilsam. Es hilft, die Entfremdung von uns selbst zumindest ein bisschen kleiner zu machen. Denn ganz ehrlich, liebe Leserin, lieber Leser, würde ich Sie jetzt fragen: „Wer bist Du? Was treibt Dich an? Wovon träumst Du?“, könnten Sie diese Fragen spontan beantworten? Über all den Lärm, den wir „Alltag“ nennen, hinweg? Vermutlich nicht, oder? Mir geht es genauso. Und darum bin ich persönlich dankbar für die Rauhzeit. Sie gibt mir Gelegenheit, diese oben an Sie gestellten Fragen, am Ende des Tages übrigens fundamental wichtigen Fragen, zu beantworten.

Leider ist es so, dass wir von klein auf beigebracht bekommen, unser Inneres, das an uns, was unfassbar, unmessbar, unzerstörbar ist, zu fürchten. Ich denke, daher kommt die Furcht vor der Stille. Darum kommen in der Rauhzeit all die Hollywood-Blockbuster im Fernsehen, überflutet uns die Werbung nur noch mehr und kommen auch viele „spirituelle“ Angebote, die gern genommen werden: Alles, nur keine Stille! Ich darf mich nicht hören! Ich will mich nicht hören! Ich komme damit nicht klar! Wer sich also das ultimative spirituelle Erlebnis in der Rauhzeit wünscht, der gebe einfach Ruh! Der achte auf seine Träume, auf sein Inneres! Und wenn dabei Tränen fließen oder Wut aufkommt, schaue man hin, warum. Vielleicht schreit die Seele ja ein letztes Mal, bevor sie krank wird, oder gar stirbt.

„Die Stille ist der Feind!“

Wer sich nicht kennt, nicht spürt, braucht Anleitung. Nun, es ist ein offenes Geheimnis, dass wir manipuliert und gegängelt werden. Erkennen Sie den Zusammenhang? Indem wir alles stille sofort übertönen, und sogar „Hilfe“ bekommen, wenn wir das selber nicht fertig bringen, bleiben wir eben auch manipulierbar. Was macht die Stille zum Feind? Vielleicht die Tatsache, weil wir in ihr finden können, was wir brauchen. Nicht, was wir WOLLEN, sondern, was wir BRAUCHEN. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Was wir wollen, wird oft aus dem Affekt geboren oder wir wollen es, weil es „in“ ist, man uns also einredet, dass wir das wollen. Was wir wollen könnte als der hilflose Versuch beschrieben werden, zu bekommen, was wir brauchen. Wie unbefriedigend das ist, wissen wir vermutlich alle. Nichts zwickt mehr, als echte Bedürfnisse, die ungestillt sind.

Wie findet man denn nun, was man wirklich braucht? Dieser Weg ist ein bisschen unbequem. Er erfordert nämlich, dass man sich unangenehmen Gefühlen stellt. Wollen wir? Also, los geht‘s! Was fehlt Ihnen? Zum Beispiel Geld? Okay! Sie glauben also, Ihnen fehlt das nötige Kleingeld, um ein glücklicher und ausgeglichener Mensch zu sehen. Gehen wir in das Gefühl hinein. Was macht Geld? Es verspricht zum Beispiel Sicherheit. Welche Art von Sicherheit? Doch nur die, dass Sie sich die Waren und Dienstleistungen kaufen können, die Sie wollen. Sicher eine angenehme Situation. Doch können Sie sich damit die Liebe eines Menschen kaufen? Seine Wertschätzung? Wahrheit? Vertrauen? Glück? Trost? Innere kraft? Eher nicht, oder? Moment! Vertrauen! Könnte das vielleicht das Bedürfnis hinter dem Wunsch nach Geld sein!? Wünschen Sie sich, vertrauen zu können? Geborgen sein zu können? Et voilà, da haben wir es ja. Geld kann dazu vielleicht einen Beitrag leisten, aber das Nonplusultra ist es nicht. Glauben Sie mir. Schmerz, Verlust, Freude und Liebe, und natürlich all die kleinen und großen Überraschungen und Wendungen, die sich das Leben schon gern mal einfallen lässt, klopfen ebenso an Palasttore, wie an die ärmlichste Hütte. Soooo sicher wird man also nicht, wenn man viel Geld hat. Das Leben bleibt auch dann lebensgefährlich, um Erich Kästner zu zitieren. Vielleicht….lohnt es sich den Segen des Vertrauens doch woanders zu suchen.

Wissen Sie, wenn man es schafft, all das was man uns so über Stille erzählt hat weg zu lassen, dann kann Stille was echt Cooles sein. Glauben Sie nicht? Doch wirklich! Bleiben wir beim Thema Vertrauen. Gehen wir in die Stille. Worauf können wir vertrauen? Psst, still! Das Schweigen hört gleich auf. Ah! Wir können dem Leben vertrauen, denn es geht immer weiter. Wir können auch uns selber vertrauen, denn wir haben Erfahrungen und die Kraft, uns den Dingen zu stellen. Wir können den Menschen, die uns nahe sind, vertrauen. So lange sind sie schon da, und durch alle Ups and Downs immer an unserer Seite. Vielleicht gibt es nicht viel, worauf wir vertrauen können, aber es ist eindeutig gewaltig viel mehr als nichts. Und plötzlich….wird die Stille warm und golden. Denn sie zeigt uns auch, was wir haben. Womit wir beschenkt sind. Sie zeigt uns, dass es keine komische Sentimentalität ist, wenn wir innerlich aufleuchten, weil ein Fremder uns anlächelt. Sie zeigt, dass wir alles, was wir brauchen schon haben. Wir kommen nur nicht heran. In der Stille finden wir, dass wir über uns selbst, unsere Entscheidungen, Worte und Taten, über unsere Haltung und Entwicklung die Macht haben. Immer. Auch in diesem Moment. Und wenn wir noch ein bisschen stiller werden sehen wir sogar, dass wir auch Macht haben über unsere Realität. Wir schaffen sie ständig selbst. Glauben Sie nicht? Sie haben es doch gerade gemacht! Schauen Sie sich an, liebe Leserin, lieber Leser. Da sitzen Sie, friedlich eingekuschelt in die Stille, die Sie am Anfang noch so bedrohlich fanden. 😉

Ich wünsche Ihnen allen gesegnete Rauhnächte, wundervolle Festtage und strahlende Momente mit Ihren Lieben.

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Von Seifenopern und Klageweibern

So fängt es immer an. Bild: Christine Lietz/pixelio.de

Es mag kurios erscheinen, dass eine Bloggerin sich berufen sieht, einmal deutliche Kritik an den Internetgewohnheiten mancher Mitmenschen zu üben. Wenn Sie zartbesaitet sind, sollten Sie diesen Eintrag vielleicht lieber nicht lesen, denn ich beabsichtige, absolut kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Wer sich auf Facebook und Co. umschaut, wird immer wieder, meist ungewollt, Zeuge von Beziehungstragikomödien. Nun, wie das Leben so spielt, nicht wahr? Gut und recht. Doch muss man das unter den Augen der ganzen Welt, und nicht weniger als die ganze Welt kann mitlesen, breit treten? Ebenso, Verzeihung, zum Kotzen, finde ich die zur Schau getragene, tragische und schwer dramatische Trauer, die man auf Gedenkseiten, vor allem für verstorbene Prominente findet. Wer sich dort umsieht, und zufällig ägyptisches Klageweib im Nebengewerbe ist, wird bei so manchem Post anerkennenden Beifall zollen.

Verstehen Sie mich bitte nicht miss. Ich ehre die Gefühle eines anderen Menschen. Und ich respektiere den Wunsch, diesen vielleicht auch Ausdruck zu verleihen, sofern sie denn echt sind. Sogar auf entsprechenden Plattformen, wenn es denn gar nicht anders geht. Aber so? Was ist der Zweck dahinter? Läuft da ein Wettkampf: „Wer trauert am dramatischsten“? Schlimm finde ich ganz persönlich, dass so was sich rund um Geburts- und Todestage häuft. Was ist denn an den anderen Tagen des Jahres? Was, wenn der oder die „gramgebeugte“ Postende die Seite wieder zu macht? Back to business, genau! So fühlt es sich zumindest an. Eine merkwürdige Methode Verstorbenen Respekt zu zollen, indem man sich selbst in rechte Licht stellt, damit der schwarze Schleier auf der eigenen Seele auch wirklich von jedem gesehen wird, oder?

Love Story als download? Sie brauchen nur ein Facebook-Konto!

Ebenso unfassbar daneben finde ich, was man auf Facebook so findet. Dass es bei manchen keinen Live-Stream aus dem Schlafzimmer gibt, ist beim Sichten der fraglichen Chroniken fast schon irritierend. Warum, bitte schön, muss man etwas derart Intimes und privates wie eine Partnerbeziehung der ganzen Welt zugänglich machen?! Ist er oder sie eine Trophäe? Muss man rum posaunen: „Seht her! ICH habe ihn/sie!“ Oder, auch immer wieder herzerfrischend, wenn die Damen im Alter 35+ lautstark und am besten noch farbig hinterlegt verkünden müssen, dass sie in einer Beziehung sind. Hallo?! Was geht denn mit Euch ab, Mädels? Wo habt Ihr Eure Selbstachtung gelassen? Ist das echt so ein Event, so ganz und gar erstaunlich, dass Ihr der ganzen Welt mitteilen müsst: Jemand hat sich doch tatsächlich für EUCH entschieden?

Natürlich werden Streitereien und Trennungen ebenso exzessiv und detailverliebt mitgeteilt. Nur mal unter uns: Habt Ihr den Partner/die Partnerin gefragt, ob er oder sie das überhaupt will?! Meine besonderen „Lieblinge“ sind auf Facebook ausgetragene Streitigkeiten. WARUM MACHT IHR DAS? Werdet Ihr dafür bezahlt? Braucht Ihr Publikum? Soll man vielleicht auf Euch wetten oder seid Ihr Euch Eurer Sache nicht sicher genug, so dass Ihr von der Weltöffentlichkeit Anfeuerung braucht!?Richtig spannend wird es, wenn es exakt diese Leute sind, die früher oder später in ihrer Chronik den Verlust der Privatsphäre beklagen. Warnen, dass BND und Co. ja überall mitlesen. Ja natürlich tun sie das! Und soll ich Euch mal ein Geheimnis verraten? Die böse Staatsmacht, grausige Hacker, Werbetreibende des Schreckens und was sonst noch….können nur das lesen, was Ihr schreibt. Ist ein bisschen komisch sich zu beklagen, dass Hinz und Kunz alles weiß, wenn man doch selber absolut alles online stellt, oder?

Gewollt oder nicht: die Selbstauskunft ist immer dabei

Wissen Sie, die meisten Facebook- und Kondolenzseiten-Poster ahnen ja nicht, was sie eigentlich über sich selbst aussagen. Wie sie sich darstellen. Und wann immer wir etwas ins Web schreiben, stellen wir uns dar. Logisch, oder? Es wird ja gesehen, und sei es nur von der Bloggerin, die gerade heute fand, es gehört darüber mal gründlich herum gegiftet. ;). Das Internet ist inzwischen wirklich keine neue Erscheinung mehr. Und auch der Letzte dürfte begriffen haben, dass man mit Google und Co. einfach alles findet, sofern man nur geduldig genug sucht….Ja, auch Ihr Chef, Ihr/-e Ex oder….Ihr/-e gegenwärtiger Lebenspartner/-in! Ihre Kinder, deren Freunde (und Feinde) und auch die völlig bescheuerte Nachbarin, die sowieso nur nach der nächsten Möglichkeit sucht, über sie zu tratschen!

Daran schon einmal gedacht? Nein? Dachte ich mir! Die meisten dieser Einträge hoch emotionaler Art egal welcher Couleur erscheinen mir hie und da durchaus kalkuliert aber nicht wirklich überdacht. Ich schrieb andernorts schon zum Thema, dass man mit der Preisgabe von Informationen sehr bewusst umgehen sollte. Damals ging es um Teenager im Internet, Sie erinnern sich? Nun, das Gleiche gilt für jeden anderen auch. Es gibt Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Doch muss man es darum in geradezu schmieriger Weise ins Web bringen? Wozu? Ich denke bei solchen Einträgen und Liebesgeschichten im Auge der Welt immer an die Worte meiner Oma: „Je lauter etwas schreit: ‚Glaub mir doch! Ich bin die Wahrheit!‘ umso wahrscheinlicher ist es eine Lüge.“

Unser Innerstes ist das Einzige, was tatsächlich immer noch uns gehört. Vielleicht ist das ganz gut so. Und vielleicht sollte es auch so bleiben. Denn: Nichts schützt sicherer, als Schweigen. Oder finden Sie die Idee etwa prickelnd, wenn Ihre von der Liebe nicht gerade geküsste und schwer eifersüchtige Bekannte Ihnen den Typen ausspannt, dessen Sie sich auf Facebook so sehr rühmen? Gefällt Ihnen die Idee, dass Ihnen eines Tages ein Bär von einem Mann mit einem rechten Haken mitteilt, dass die, die sie auf Facebook Ihre „Zaubermaus“ oder wie auch immer nennen, seine Frau Gattin ist!? Das, liebe Liebende, kann nämlich auch passieren.

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Midlife-Crisis oder: der Phönix-Effekt

Midlife-Crisis: die Phönix-Zeit

Der sagenhafte Vogel Phönix macht es uns vor. Bild: Elisabeth Leunert/pixelio.de

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, setzen wir die Serie über die Midlife-Crisis fort. Wir hatten schon, was aus den Betroffenen wird. Auch die auslösenden Mechanismen haben wir versucht zu verstehen, Zeit also zu schauen, was man(n) jetzt mit dem ganzen Wahnsinn machen kann, finden Sie nicht? Ehe wird fortfahren, hier ein kleiner Einschub. Eine Midlife-Crisis ist auch nur eine Krise. Das klingt sehr platt doch darf ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass das was wir hier zusammentragen mehr oder minder auf alle Lebenskrisen anwendbar ist.

Wie ich dazu komme, das zu behaupten? Nun, ich habe auch schon einige Bauchlandungen hingelegt und mir sogar ein oder zweimal die Flügel dabei gebrochen. Irgendwann wurde mit bewusst, dass das was uns begegnet im Leben, zunächst einmal nichts weiter als Ereignisse sind. WIR sind es, die daraus eine Krise oder einen Triumph machen. Die Frage, wie wir die Situation und uns selbst sehen und auch die Frage, was wir damit machen sind entscheidend, ob eine schwere Erkrankung, ein folgenschwerer Unfall, eine traumatische Trennung oder auch der 50. Geburtstag jetzt wirklich eine Krise sind, oder vielleicht sogar eine Chance. Zugegeben, die sehr rabiate Version des Phänomens, aber dennoch voller Möglichkeiten. Diese Überlegung ist der Grund, warum ich noch hier bin. Und Sie, lieber Leser, liebe Leserin können das auch.

Machen Sie den Phönix, mit aller Konsequenz

Sicher kennen Sie den mythischen Vogel, der einmal am Tag Feuer fängt und vollständig verbrennt. Doch wenn der Mond die Asche berührt, fängt sie an zu glitzern. Und der Phönix ersteht aus seiner eigenen Asche. Und jedes Mal wird er schöner und kraftvoller. Interessant ist in diesem Bild, dass es in vielen Kulturen das Mondlicht ist, welches den Phönix aufweckt und ins Leben zurück holt. Wenn wir C.G. Jung bemühen, so ist es die schiere Macht des gelebten Gefühls, der aus der Asche wieder ein lebendiges, starkes Geschöpf macht. Ebenso übrigens, wie es die zerstörerische Macht des verdrängten Gefühls ist, die den Phönix Feuer fangen lässt. Was unterdrückt wurde, bricht sich Raum und fordert sein Recht, gesehen zu werden.

In der Midlife-Crisis geht es sehr stark um Verdrängtes oder Verfälschtes. Ich will sicher nicht behaupten, dass die meisten Menschen als ihr eigenes Plagiat durchs Leben gehen aber, mal ehrlich: Wie oft zeigen Sie ein Gesicht, das nicht Ihres ist? Leben Persönlichkeitsmerkmale, die Sie so eigentlich nicht haben? Der Grund ist ein Teufelskreis: die von mir so leidenschaftlich verabscheuten Rollenbilder, und der (anerzogene) Drang, diesen zu genügen, übrigens auch in der Rebellion gegen diese seelischen Daumenschrauben. Wenn Sie sich einmal genau beobachten werden Sie finden, dass Sie sehr oft so reagieren, wie man es Ihnen beigebracht hat, oder wie Sie glauben, dass es der andere erwarten wird. Nun, der Weg hier raus ist ebenso einfach wie kompliziert (nein, ich habe mich nicht verschrieben ;)): Seien Sie Sie selbst!

Ich spüre Sie bis hierher zusammenzucken. „Was? Ich soll ich sein? Aber ich weiß ja nicht, wer ich bin!“ Wie wäre es, wenn Sie sich zunächst einmal anschauen würden, wer Sie NICHT sind? Zugegeben, das kneift hie und da ganz ordentlich, ist aber hilfreich. Und jetzt, lieber (Midlife)-Crisis geschüttelter Mitbürger auf diesem Planeten, haben Sie das Feuerzeug schon in der Hand! Um die Sache mit dem Brennen kommt man nicht herum, wenn man aus seiner Asche wiedergeboren werden will, warum also nicht bewusst, absichtlich und zu den eigenen Bedingungen!?

Die Sache mit der Ehrlichkeit

Jeder wird mir zustimmen, dass bei einer Neugeburt nach der Krise gnadenlose Ehrlichkeit zu sich selbst nötig ist. Doch wie schaut es eigentlich mit Ihren Mitmenschen aus? Haben die auch die Möglichkeit, ehrlich mit Ihnen zu sein? Oder wissen Sie sowieso schon, wie die reagieren werden? Wirklich? Na? Was ist es? Fehlt der Mut? Oder warum geben Sie den Ihnen Nahestehenden nicht die Möglichkeit, SELBST zu reagieren? Sie werden vermutlich überrascht über das Feedback sein. Es wird positive Überraschungen geben, vielleicht sogar solche, die Ihnen wie ein Wunder vorkommen, aber auch negative, die richtig weh tun. Man nennt letztere auch Enttäuschung. Das „Heilelixier“ dazu liegt im Wort: Eine Täuschung wird weggenommen.

Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen aber mir ist die bitterste Wahrheit lieber als die süßeste Lüge. Also frisch voran; Gesicht gezeigt und Herz geöffnet. Und schon beginnt sich Ihr scheinbar festgefahrenes Leben wieder zu bewegen. Ihre scheinbar aussichtslose Situation ändert sich. Welchen Einfluss das hat, ob es zum Beispiel die bestehende Partnerschaft übersteht, ob sie gar neu belebt wird oder ob man sich eingesteht, dass sie tot ist und man Tote begraben sollte, wird sich zeigen. Ob es Ihre Karriere übersteht, aus den gleichen Überlegungen übrigens, wird man sehen. Das Wichtigste ist: Sie werden es überstehen! Und: Sie werden endlich wieder richtig lebendig. Wie der Phönix aus der Asche. Wenn Sie mögen, dann folgt gerne eine Fortsetzung.

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