Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Der Kobold und der Kürbis

Geschichten-Zeit

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Natürlich feiern auch die Kobolde Halloween. Wusstet Ihr, dass sie eine wichtige Rolle spielten, als der Halloween-Kürbis erfunden wurde?

Doch eins nach dem anderen. Alles begann, als der kleine Kobold Fips ausgeschickt wurde, die Wintervorräte aufzufüllen. Die Gespenster und Trolle klauten den Kobolden nämlich immer die mühsam gesammelten Äpfel und bevor es kalt wurde, mussten die Vorräte aufgefüllt sein. „Sie mögen Bratäpfel mit Marzipan eben genauso gern, wie wir“, seufzte der Kobolds-Großvater dann immer.

Fips war noch ein junger Kobold. Traditionen waren ja gut und recht, aber Goldtöpfe zu bewachen und viele, viele Male zu laufen, um die Herbstäpfel zu holen, fand er wirklich sehr altmodisch. Wieder einmal hatten sich die Gespenster drei Säcke Äpfel stibitzt. Weil so ein Kobold recht klein ist, wenn er auf Deiner Hand steht, kann er kaum über Deine ausgestreckten Finger schauen, brauchen sie eigentlich nicht so viel. Die drei Säcke waren alles, was das Dorf für den Winter gesammelt hatte. Wie immer hatte Fips sich versteckt, als die anderen arbeiten gingen. So war es klar, dass er nun losgeschickt wurde, um für das Dorf nach Essen für den Winter zu suchen. Also sattelte Fips seine Reitmaus, und zog los.

Auf den Feldern waren längst alle Kartoffeln und Halme geerntet und auch an den Weinreben fand er kaum noch Trauben. Um die Wenigen balgten sich die Raben, und weil Fips gehört hatte, dass diese unheimlichen, schwarzen Vögel gerne Koboldshüte stahlen, beschloss er sich da lieber nicht einzumischen. Ein Kobold ohne Hut war nämlich gar kein richtiger Kobold mehr. In manchen Gärten und auch auf dem Marktstand von Bauer Heinrich sah er seltsames Obst das aussah, wie gewaltige Pfirsiche. Nachdem er diese „Riesenpfirsiche“ ein paar Mal gesehen hatte beschloss er, sich so ein Ding einmal näher zu besehen.

Vorsichtig schlüpfte er zwischen den Latten eines Gartenzauns hindurch und war baff, als er vor einem Kürbis stand. Er war groß wie ein ganzer Sack voller Äpfel und leuchtete orange. Fips klopfte an die dicke Schale und schnupperte neugierig. Ja, es hörte sich so an, als wäre in diesem Ding sehr viel Fruchtfleisch. Mit seinem kleinen, scharfen Messer schnitt er ein wenig in die Schale und kostete vom Inneren. Wie gut das schmeckte! Es war saftig und ein bisschen süß und nach zwei Bissen knurrte der Magen des kleinen Kobolds schon nicht mehr. Das wäre genau das Richtige! Nur wie konnte man diese riesige Frucht nur aus dem Garten holen? Und wie sollte der kleine Fips den Kürbis, der viel, viel größer war als er ins Dorf bringen? Er seufzte. Der Kürbis wäre die Lösung all seiner Probleme, wenn er ihn nur transportieren könnte.

Noch während er nachdachte bemerkte er ein kleines, schwarzes Näschen, dass an ihm schnupperte. „Hallo, Herr Maulwurf,“ sagte Fips. „Hallo, kleiner Kobold. Ich rieche, das du Sorgen hast. Kann ich dir helfen?“ fragte das freundliche Tier. Fips erzählte ihm von seinem Auftrag und dem Kürbis. Alles wäre gut, wenn er den Kürbis nur aus dem Garten brächte. Seine Reitmaus könnte Verstärkung holen und so würde der Kürbis ins Dorf gerollt. Der Maulwurf dachte einen Moment nach und huschte eilig davon. Jetzt war Fips verzweifelt. Dicke Koboldstränen kullerten über sein kleines Gesicht, als er plötzlich fühlte, die der Boden unter ihm zu rucken und zu rieseln begann. Und dann…verschwand auch noch der Kürbis. Einfach weg war er! Er hörte komische Laute aus der Erde, war aber viel zu traurig, um Angst zu haben. Nach einer Weile zupfte ihn seine Reitmaus am Ärmel: „Komm, wir wollen los, der Weg nach Hause ist weit,“ piepste sie. Fips war wohl ein bisschen eingeschlafen gewesen. Als er durch den Zaun schlüpfte, lag der Kürbis vor ihm auf dem Weg und seine Maus hatte viele Freunde gerufen. Fips jubelte und dankte dem freundlichen Maulwurf und seiner Familie. Glücklich machte er sich mit dem Kürbis und den Mäusen auf den Heimweg.

Ihr könnt Euch denken, was für eine Aufregung im Koboldsdorf herrschte, als Fips mit seinem Kürbis ankam. Manche versteckten sich vorsichtshalber vor der riesigen Frucht, andere kamen neugierig näher. Schließlich erklärte der Kobolds-Großvater, der sehr klug war und (fast) alles wusste, das es sich um einen Kürbis handelte, und welch leckere Dinge man daraus machen konnte. Eilig wurden Sägen und Schaufeln geholt. Die stärksten Koboldsmänner sägten Eingänge in den Kürbis. Damit sie alles Fleisch heraus holen konnten, machten sie mehrere davon in verschiedenen Höhen. Dass dabei ein gruseliges Gesicht entstand haben die fleißigen Kobolde gar nicht gemerkt. Sie schaufelten mehrere Tage, bis der Kürbis leer war. Die Koboldsfrauen kochten Suppen, machten Marmelade und aus den Kernen backten sie herrliches Brot. Kürbisstücke wurden eingekocht oder mit kostbarem Honig glasiert, damit sie über den Winter halten würden.

Erst spät in der Nacht wurde das Koboldsvolk fertig. Nun musste nur noch der ausgehöhlte Kürbis irgendwo hin. Mit winzigen Fackeln in der Hand leuchteten die Frauen den Weg, während die Männer den leichteren aber immer noch riesigen Kürbis zum Dorfrand schoben. Damit nichts brennen konnte, warfen die Frauen die Fackeln in den Kürbis.

Spät in der Nacht lärmte und heulte es. Fips war schlagartig wach und dachte: „Oh nein! Die Trolle und Gespenster kommen!“ Er würde nicht zulassen, dass ihre Vorräte wieder geklaut würden, diesmal nicht!. Entschlossen sprang er aus dem Bett und lief zum Dorfrand. Er würde sie verjagen. Am Dorfrand angekommen, sah er, wie die lärmenden Trolle und schaurig heulenden Gespenster kamen. Doch dann…sahen sie den Kürbis! Einen Moment starrten sie ihn mit offenen Mündern an. Dann drehten sie sich um, und rannten schreiend in die Nacht. Fips konnte es kaum glauben, die hatten Angst vor einem ausgehöhlten Kürbis. Fips rannte jubelnd zurück ins Dorf. Durch seine Freudenrufe wachten alle auf und wunderten sich, was es wohl gab. Der kleine Kobold erzählte, was passiert war. Alle waren so glücklich, dass sie mitten in der Nacht ein Freudenfest veranstalteten.

Seitdem stellten die Kobolde zu jedem Herbst einen ausgehöhlten Kürbis an den Dorfrand. Das viele Fleisch sorgte für reichlich Essen im Winter und auch die Gespenster kamen nie wieder. Natürlich sprach sich die Geschichte herum und immer mehr Koboldsdörfer wurden mit Kürbisköpfen geschützt. Vermutlich war der Holzfäller Karl, der einmal tief in der Nacht heim ging und sich vor so einer Laterne erschreckte der erste Mensch, der eine Kürbislaterne vor sein Haus stellte, um in den Spuknächten die Geister zu verjagen.

Das ist jetzt schon sehr lange her. Inzwischen stellen auf der ganzen Welt Menschen Kürbislaternen in der Halloween-Nacht, wenn die Geister umgehen vor ihre Türen. Und jetzt wisst ihr auch, wie alles begann.

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Juvenile Migräne: Eine (un-)endliche Geschichte?

Wie versprochen setze ich den Bericht über das Migräne-Kind, das sich vor einiger Zeit zum Interview bereit erklärt hat fort. Inzwischen hat sich Einiges getan. Das teils sehr heftige, unstillbare Erbrechen während eines Migräne-Anfalls ist im Sommer vollständig verschwunden und bis heute auch nicht wieder aufgetaucht. Dafür setzten mit Beginn des neuen Schuljahres Dauerkopfschmerzen ein.

Im Sommer letzten Jahres hatte sich beim Check-Up durch den Augenarzt gezeigt, dass der Junge auf beiden Augen unterschiedlich sieht. Dies sei aber, so der Augenarzt, in aller Regel vom Gehirn gut kompensierbar. Da dieser Befund im Raume stand und gleichzeitig im neuen Schuljahr mehr geschrieben wurde, ging es erneut zum Augenarzt. Nun wurde die Sichtigkeit genauer untersucht. Es zeigte sich: eine Seite kurzsichtig, die andere weitsichtig. Rechts eine Kippung der Sehachse um 20 Grad. Die Abweichungen auf beiden Augen betragen nur jeweils 0,25 Dioptrin doch reichte das offenbar, um der Migräne richtig „Futter“ zu geben. Es wurde eine Brille verordnet, die Erleichterung brachte.

Migräne ist ein Puzzle

Das Gemeine an dieser Gesundheitsstörung ist die Tatsache, dass sie schon gerne mal nicht nur eine Ursache hat. Schrittchen für Schrittchen müssen all die Puzzle-Teile gesucht werden, aus denen sich der Migräneanfall „zusammen setzt“. Es scheint, dass man wesentlich mehr über Auslöser weiß, und die oft auch von ärztlicher Seite wichtiger wertet, als die Ursachen. Nach stundenlanger Recherche im Internet war klar: Migräne-Patienten haben oft einen höheren Magnesiumbedarf, als Gesunde. Auch der Bedarf an Vitamin B2 und dem Coenzym Q 10 ist eklatant höher. Also wurde ein entsprechendes Präparat angeschafft, das diesen Bedarf decken hilft. Das Ergebnis: der kleine „Migräne-Held“ sagt (das ist er wirklich, denn er kämpft tapfer gegen die Kopfschmerzen), der Kopf tobt immer noch, aber das Allgemeinbefinden nimmt immerhin nicht mehr den Turbolift in den Keller. Wieder ein Puzzleteilchen gefunden und aus dem Spiel genommen.

Weil bei Migräne gerne auch einmal Spannungskopfschmerzen mit auftauchen, wurde Physiotherapie, genauer, Massage verordnet. Schon beim ersten Termin musste die Migräne ein „Damaskus“ einstecken: Junior sagt, der Kopf ist einfach nur noch da! Es drückt nichts, tut nichts weh, er könne sich kaum erinnern, wann das das letzte Mal so war. Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich vor Freude und Erleichterung mit den Tränen gekämpft habe.

Eine heiße Spur – ist es vielleicht der „Riese“???

Die Physiotherapeutin fand heraus, dass der Atlas, benannt nach dem mythischen Riesen der von Zeus verdonnert wurde, die Erde zu tragen, also jenes obere Ende der Wirbelsäule auf dem der Kopf sitzt, nicht richtig platziert ist. Der Atlas besteht aus mehreren kleinen Wirbelgelenken, die durch Flügelbänder in Position gehalten werden. Zwischen den Wirbeln liegen keine Bandscheiben. Dieser sogenannte atlanto-okzipitale Übergang ist außerdem die Stelle, wo das Rückenmark aus dem Gehirn austritt. Sitzt der Atlas nicht richtig, ruht das Gewicht des Kopfes nicht vertikal auf der Wirbelsäule sondern es „zieht“ nach links oder rechts. Die Muskeln müssen also mehr Kopf halten, als es ihrer Bauart entspricht. Die Folge: extreme Verspannungen und Beeinträchtigungen im Reizfluss. Das wiederum kann Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel, Sehstörungen ja, sogar schwere neurologische Ausfälle zur Folge haben.

Eine Atlaskorrektur ist so was Ähnliches wie „Einrenken“. Bedingt durch die Lage jedoch eine schwierige Sache, die nur von sehr erfahrenen Ärzten durchgeführt wird. Mit einer solchen Korrektur können darüber hinaus Haltungsschäden und orthopädische Missstände bis in die Füße hinunter verschwinden. Es hat sich auch gezeigt, dass neurologische Auffälligkeiten, die man nicht mit der HWS in Verbindung brächte wie Zappeligkeit, Konzentrationsstörungen und Lernschwächen durch eine solche Korrektur sich bessern können.

Wie geht es weiter?

In Kürze geht es für den „Migräne-Helden“ wieder in die Uni-Klinik, dort wird alles Weitere geplant und angegangen. Dass das Erbrechen weg ist könnte bedeuten, so seine Ärztin, dass eine Migräne-Ursache weggefallen ist. Dann fehlen nur noch, keine Ahnung, wie viele. Jedoch findet man in der Literatur, dass viele Migräne-Patienten mit der Behandlung des Atlasgelenks endlich vom „Monster im Kopf“ frei werden. Ich wünsche mir so sehr, dass das auch bei unserem Helden in dieser Geschichte, die das Leben schreibt, der Fall sein wird. Ich meine übrigens das Wort „Held“ ganz buchstäblich: Jeder Mensch, der an Migräne leidet und immer wieder neu den Kampf aufnimmt, sich von der Attacke nicht klein kriegen lässt und danach wieder aufsteht, ist für mich ein Held.

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