Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Ein Wort zum Abschied

- Januar 5, 2015
Der Zauber verfliegt....oder doch nicht?  Bild: A. Drescher/pixelio.de

Der Zauber verfliegt….oder doch nicht? Bild: A. Drescher/pixelio.de

Ein Wort zum Abschied

Walvater spricht: „Die letzte Rauhnacht zieht über die Welt und meine Jäger und ich kehren zurück nach Asgard. Viel haben wir gesehen und von Wiederkehr zu Wiederkehr verändert sich Eure Welt schneller. Fast möchte man meinen, es gäbe nichts Beständiges mehr bei Euch. Auch ihr denkt so, denn so manche Seele sah ich in den heiligen Nächten zittern und verzweifelt nach Halt suchen. Doch seid versichert, es gibt das Ewige. Gesetze, denen selbst wir unterworfen sind. Und es gibt Unzerstörbares, auch wenn ich sehen musste, dass Ihr vieles baut, nur um es wieder zu vernichten.

Ihr seid ewig. In Eurem Inneren brennt das Feuer des Lebens, das nie entfacht wurde und nie verlöschen wird. Und das, was Eure Herzen erwärmt, Liebe, Freude, Zorn und Leidenschaft, sie sind auch ewig. Es erstaunt mich, dass ihr, feurige Geschöpfe wie ihr es seid, nach außen kälter und unbewegter sein wollt, als das klare Eis in der Arktis. Wisst Ihr nicht, dass selbst dieses Eis fließt? Es folgt den Gesetzen, denen alles im Sein folgen muss. Es wurde, es wird also vergehen.

Ihr beschließt, in Gruppen zusammen zu leben, und nennt eine solche Gruppe ein Volk. Je nachdem, wo so ein Volk lebt, hilft Mutter Erde den Menschen, sich über Generationen an den Lebensraum anzupassen. Daher beginnt Ihr, verschieden auszusehen. Warum glaubt Ihr, dass eine Gruppe besser sei, als die andere? Sie sind verschieden, soviel ist sicher. Und es ist gut, dass sie verschieden sind, denn wie wolltet Ihr Menschengeister sonst alle Spielarten und Möglichkeiten der Existenz erfahren? Statt voneinander zu lernen, einander staunend zu lauschen, bekämpft Ihr Euch lieber. Ihr seid mit Verstand begabt, seid fähig, zu fragen, zu wägen und erneut zu fragen. Glaubt Ihr, Ihr erhieltet diese Gaben, um Euch gegenseitig und auch Muter Erdes Leib zu zerstören? Ihr seid wie ein Reiter, der sein eigenes Pferd in wildem Ritt totzuschlagen versucht. Wer unter Euch diesen Reiter dumm nennt, hat fraglos recht. Doch wie, so frage ich Dich, seid Ihr dann zu nennen, die Ihr versucht das Leben einzusperren, bis es nur noch in den Tod flüchten kann?

Wenn Ihr ruht, alleine seid, nur Euch selbst lauscht, so fühlt Ihr wieder die ewigen Dinge. Ihr fühlt sie, weil Ihr sie habt, und noch mehr fühlt Ihr die Pein, die der Mangel an dem Ewigen erzeugt. Freundschaft, die Heiligkeit des Vertrauens und die Ehre, Gastfreundschaft gewähren zu dürfen, all das fehlt Euch. Doch nicht, weil es nicht mehr da wäre sondern viel mehr weil Ihr glaubt, Euer „Vorteil“ sei wichtiger. Könnt Ihr befreundet sein mit dem, was Ihr „Status“ nennt? Könnt Ihr in traulichem Gespräch den Glanz Eurer Seele erleben mit dem, was Ihr „Besitz“ nennt? Warum verweigert Ihr Euch dann den Reichtum, nachdem Ihr Euch so sehr verzehrt? Tauscht ihn gegen einen trügerischen Reichtum, der gezählt und gemessen werden kann? Nimm mein Wort, Menschengeist, wenn dereinst der Engel an Dein Bett tritt und Dich fragt, was der Wert Deines Lebens sei, werden Zahlen weder ihn noch Dich befrieden! Nicht, was andere über Dich sagen, sondern nur was Du über Dich sagst, wird dann gehört werden. Vor Dir selbst zerbirst die Lüge über Dich selbst, denn das Ewige in Dir kennt die Wahrheit und sieht nur sie allein!“

Holda ergreift das Wort: „Ich werde nicht nach Asgard heimkehren, noch nicht. Den Winterkönig forderte ich zum Kampf, auf das er Euch, meine lieben Menschenkinder aus seinem kalten Griff entlassen muss. Lange werden wir kämpfen, doch ich werde erneut für Euch siegen, die Wege bereiten für den neuen Sommer. Vielen von Euch ist das nicht länger wichtig. Ihr seid entfremdet von den Kräften, die das Leben bilden. Doch trete ich nicht nur gegen den Winterkönig an, sondern auch gegen die Kälte, die sich unter Euch immer mehr verbreitet. Sieh mich an. Ich trage keine Rüstung, bin nicht bewaffnet. Ein heiteres junges Mädchen bin ich. Im Ringen mit dem Winterkönig ist es meine Wärme, mein Lachen meine Lebensfreude, die ihn in die Flucht schlägt. Mein Lied ist es, das ihn bindet. Mein Tanz nimmt ihm die Macht. Und mein Lachen jagt ihn von dieser Welt zurück in die Gefilde, in denen er lange ruhen muss, um den Kampf um Midgard erneut zu versuchen.

Einen Funken meines Blickes lasse ich jedem von Euch, auf das der eisige Griff um Eure Seelen irgendwann loslassen muss. Kämpfe nicht, liebes Menschenkind, erlaube Dir Sanftheit, Anmut und Freude. Erlaube Dir Lachen und Weinen, denn beide kommen aus dem Herdfeuer Deines Herzens. So will ich das einzige mit Dir teilen, was ich zu geben habe. Es ist jene Kraft, die die Hitze der Glut erhält, selbst wenn der Schnee darauf fällt. Ihr nennt diese Kraft Hoffnung. Ich weiß, dass die Kraft der Sonne, der Glanz des Mondes und das Funkeln der Sterne in Euch stärker ist als alle Dunkelheit, die man Euch verlockt hat, darüber zu werfen. Und ich weiß, dass ein wenig meines Geistes, der nach Freiheit strebt auch in Euch ist. Eines Tages, meine lieben Menschenkinder, wird auch der grausige Bruder des Winterkönigs, der, der zu feige ist sich am Baum oder dem Berg zu versuchen und stattdessen lieber ein Herz vergiftet, besiegt sein. Wie man ihn bekämpft? Am besten überhaupt nicht. Erinnert Euch stattdessen, wer Ihr wahrhaft seid und lasst Euch nicht länger von ihm belügen und täuschen. Lernt wieder, dass Lied Eurer Seele zu hören, den Tanz Eures Herzens zu leben und er wird fliehen, der arge Bruder, und nicht wieder in Eure Nähe kommen.“

Walvater tritt neben die Schöne und spricht: „Ich kehre nun heim, doch verlassen wir Euch nicht. Wir sind die Kräfte der Natur und des Lebens. Gerne sind wir unter Euch, auch wenn wir nur noch wenigen willkommen sind. Auf das Wiedersehen freuen wir uns und sind gespannt, Euren Erlebnissen zu lauschen. Ihr seid wahrhaft erstaunliche Wesen, auch wenn Ihr das nicht zu wissen scheint. Seid gesegnet mit Klang und Licht, mit dem Auge, dass das Wunder im Rosenblatt sieht.“

Ein letztes Mal bellen die Hunde, wiehern die Pferde und rufen die Jäger. Wenn sich dieses Mal die Glöckchen und die Hufschläge entfernen, werden sie lange fort bleiben. Doch sie werden bald schon wieder kehren. Wenn die Nächte außerhalb der Zeit, die Rauhnächte, erneut über die Erde ziehen und durch unsere Seelen und Träume streifen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: