Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

„Böser“ Hund? Oder doch „unwissender“ Mensch!?

- Mai 7, 2015
Hey, Mensch? Wir sind doch Freunde! Lass uns reden

Hey, Mensch? Wir sind doch Freunde! Lass uns reden

Wer einen Hund hat, wird mir sicherlich recht geben, dass es oft genug ein wichtiger Teil der Hundeerziehung ist, dem Vierbeiner beizubringen, mit der „Dummheit“ der Mitmenschen umzugehen. Dabei sind Hunde in gewisser Weise Menschen gar nicht unähnlich. Sie verfügen zum Beispiel über Körpersprache, Mimik und Lautäußerungen. Ebenso reagieren sie darauf.

Der Hund ist das einzige unserer Haustiere, welches im Menschen so eine Art Artgenossen sieht, mit ihm über Generationen hinweg eine ähnliche Kommunikationsbasis entwickelt hat. Dabei gibt es eine wichtige Besonderheit, die viele Menschen nicht kennen. Unsere Hände werden nicht als „Vorderpfoten“ wahrgenommen, sondern als zusätzliche Mäuler. Der Grund: unsere Daumen! Aus Sicht des Hundes sind wir also auch Hunde, die auf zwei Beinen gehen, einen Kopf, aber drei Mäuler haben. Recht gruselig, finden Sie nicht? Nun, Wauzi hat jedoch gelernt, im großen und ganzen mit diesem „Grusel-Hund“ umzugehen. Leider beruht das, wie ich immer wieder erleben muss, nicht auf Gegenseitigkeit.

Ist Höflichkeit eine Frage der Haarmenge??

Vermutlich werden die wenigsten Menschen einem Fremden minutenlang direkt in die Augen starren. Der Grund: Es wird als Aggression empfunden. Warum machen Menschen das dann mit fremden Hunden und wundern sich auch noch, wenn sie angebellt werden? Haben Sie einmal beobachtet, wie Hunde sich herausfordern? Richtig! Sie starren sich an. Da Menschen nun aber Zwei-Bein-Hunde sind…Sie ahnen jetzt, warum der Hund bellt, nicht wahr?

Tipp: Starren Sie niemals einem fremden Hund in die Augen! Sehen Sie entspannt rechts oder links an ihm vorbei! Verlangsamt der Hund seinen Gang, „tippelt“ er, zeigt also Nervosität, baut er gar Körperspannung auf (Verteidigungsbereitschaft) deeskalieren Sie, in dem Sie leicht den Kopf senken.

Wie ist das, wenn Sie in der Stadt an einem Menschen vorbei gehen? Rempeln Sie jeden an? Gehen Sie an jedem auf „Tuchfühlung“ vorbei? Machen Sie das, idealerweise auch noch von hinten, so dass der „liebkoste“ Sie nicht sieht? Nein?? Warum machen Menschen das dann mit Hunden? Klassischer Fall: Jogger. Sie rennen gerne an mir und an meinen Hunden so nah vorbei, dass ich an Hand der Hautfeuchte sagen kann, wie lange die letzte Dusche zurück liegt. Ich ärgere mich nur, weil man mir die Entscheidung, ob ich „kuscheln“ möchte, mal wieder abgenommen hat. Meine Hunde jedoch wähnen mich in Gefahr und bellen dem Jogger nach. Sie beschützen mich in dem Moment vor einem „Angriff“, denn auch Hunde kennen die Abstandszonen.

Nehmen wir an, Sie treffen einen Ihnen fremden Menschen. Dieser Mensch geht mit Ihnen direkt buchstäblich auf Tuchfühlung. Wie fühlen Sie sich? Bedroht? Eingeschüchtert? Natürlich tun Sie das, denn es ist ja nun ein Fremder. „Seine“ Zone ist in etwa auf 1, 50 m bis 2 m Abstand! Freunde dürfen bis auf 80 cm heran, Familie und Partner dürfen noch näher. Der Fremde in unserem Beispiel betritt also Ihre Intimzone. Sie haben keinen Platz mehr, ihn weg zu stoßen oder sonst etwas zu tun. Logisch, dass sich das bedrohlich anfühlt. Es reicht für ein stark unangenehmes Gefühl, dass ein Fremder durch Privatzonen hindurch läuft, achten Sie einmal darauf. Die Abstandsbereiche beim Hund sind, übrigens unabhängig von dessen Größe, in etwa genauso. Wenn ein Hund sich bedroht fühlt, bellt er. Erschrickt er heftig, schnappt er, übrigens reflexartig.

Tipp: Lassen Sie zwischen sich und einem fremden Hund etwa 2 m Abstand. Wendet der Hund ihnen das Gesicht zu, mit leicht schief gelegtem Kopf und aufgestellten Ohren, interessiert er sich für Sie. Streckt er schnuppernd die Nase, möchte er Sie kennenlernen. Tut er nichts dergleichen, lassen Sie ihn am besten einfach in Ruhe. Schaut er Ihnen mit starrem Nacken nach, hat er Angst vor Ihnen. Geben Sie ihm noch mehr Raum und schauen Sie weg, so wird nichts passieren! Bellt der Hund, reden Sie bloß nicht ihm! Der Hund denkt dann, Sie bellen zurück, fordern ihn also zum Kampf!!

Ist der süß! Darf ich ihn streicheln?“ Natürlich dürfen Sie, aber bitte richtig!

Wie streicheln Sie einen fremden Hund? Zunächst lassen Sie ihn bitte an Ihrer Hand schnuppern. Er wird schnuppern, notfalls folgt er Ihrer Hand. Manche Menschen reagieren dann verunsichert, ziehen die Hand ruckartig zurück, was wiederum den Hund verunsichert. Nehmen wir also an, das Schnuppern war erfolgreich, Wauzi entspannt sich, wedelt mit dem Schwanz und mag gestreichelt werden. Nun kommt das nächste Missverständnis, die meisten Menschen streicheln den Hundekopf. Aus Sicht des Hundes unterwerfen Sie den Hund! Der Griff auf den Kopf ist nur Ranghöheren gestattet. Sie sind aber fremd, gehören nicht zum Rudel, haben also gar keinen Rang, nicht einmal den Niedrigsten. Darum zieht Wauzi den Kopf weg, oder versucht Ihre Hand unter sein Kinn zu bekommen, also diese „Rangstreitigkeit“ zu seinen Gunsten zu entscheiden. Am besten streicheln Sie die Wangen des Hundes gleich hinter der Schnauze. Hier ist ein „Neutralbereich“ und wenn Hunde sich untereinander „ich mag dich“ sagen, knabbern oder stubsen sie sich an dieser Stelle mit der Schnauze.

Tipp: Wenn Sie einen fremden Hund streicheln, beugen Sie sich bitte nicht direkt über ihn! Er empfindet auch das als Dominanzgeste und wird entweder unsicher, oder (wahrscheinlicher) wird sich aus dieser Situation lösen. Vom Schritt zur Seite, über Schubsen bis hin zu einem ordentlich lauten Warn-Kläffer ist hier alles drin!

Annäherung – an seinem Gang erkennen Sie die Stimmungslage

Viele Menschen sind von der Reaktion eines Hundes überrascht. Dabei gibt es nur wenige Geschöpfe, die auf der Ebene der Körpersprache „redseliger“ sind, als Hunde. Wenn Sie also auf einen Vierbeiner zu gehen, beobachten Sie aus der Entfernung, was er macht.

– Wird er langsamer? Dann beobachtet er Sie aufmerksam und versucht zu entscheiden, ob Sie eine Bedrohung sind, oder nicht.

– „Tippelt“ er? Dann ist er nervös. Dafür kann es zwei Gründe geben: Entweder haben Sie es mit einem Junghund zu tun, der ganz dringend nach einem Spielgefährten Ausschau hält und überlegt, ob Sie vielleicht einer sind. In diesem Fall wird er anfangen, herum zu hopsen, mit dem Kopf zu pendeln und kurze, hohe Beller auszustoßen. Dass sieht vor allem bei großen Rassen beeindruckend aus, ist aber eine Aufforderung zum Spiel.

Zeigt der kein „ich will mit dir Spielen“-Gehopse, ist er einfach unsicher. In diesem Fall gehen Sie ganz ruhig an ihm vorbei, sehen Sie ihn nicht an, selbst wenn er in Ihre Richtung schaut oder Ihnen nach schnuppert. So helfen Sie Wauzi und Mensch, die latente Angst vor fremden Menschen zu überwinden

– Wird der Nacken starr und geht der Hund direkt vor den Füßen „seines“ Menschen, beschützt er. Der Hund ist eindeutig alarmiert. In diesem Fall, halten Sie bitte Abstand! Grüßen Sie auch den Menschen wenn überhaupt, nur ganz kurz selbst wenn Sie ihn kennen, denn Wauzi ist wirklich aufgeregt und bereit, zu verteidigen.

– Trottet Wauzi entspannt an Ihnen vorbei, schaut Sie gar nicht an und behandelt Sie wie Luft, dann ist er entspannt, will aber eindeutig keinen Kontakt aufnehmen. Wenn Sie Wauzi jetzt rufen, oder ihm gar in den Weg treten, könnte Wauzi sehr genervt reagieren, hat er Ihnen doch eindeutig gezeigt, dass er seine Ruhe will!

– Wenn sich Wauzi Ihnen zuwendet, mit dem Schwanz wedelt und seitlich an Sie heran geht, begrüßt er Sie, möchte gestreichelt werden und freut sich sehr, Sie zu sehen.

Nicht nur gucken, auch sehen

Leider ist die Sensibilität für die Körpersprache stark rückläufig. Auch unter Menschen ist das leider zu beobachten. Bei der Begegnung mit einem Hund ist fehlendes Sehen, fehlendes Verstehen unter Umständen fatal für Mensch und Hund. Leider denkt im Falle eines Bisses niemand über die Frage nach, warum der Hund gebissen hat. Es ist dann natürlich sofort der „böse Hund“ und der „unfähige Besitzer“, aber natürlich wird über das eigene Verhalten nicht nachgedacht.

Wenn Sie mögen, und wenn es Sie interessiert, schauen Sie doch mal wieder vorbei, denn beim Schreiben dieses Textes kam ich zu dem Schluss, dass Diplomatie das mindeste ist, was wir jenen Tieren schulden, die sich uns vor einigen zigtausdend Jahren anschlossen, und deren Schutz, Hilfe und Treue wir es verdanken, dass unsere Evolution so reibungslos verlaufen ist, wie sie es tat.

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One response to “„Böser“ Hund? Oder doch „unwissender“ Mensch!?

  1. Monika-Maria Ehliah sagt:

    … mit der Dummheit der Menschen umzugehen …
    für mich und auch für meinen Hundefreund,
    gewiss keine einfache Aufgabe …
    Segen …!
    M.M.

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