Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Service-Wüste Deutschland oder: Wie man in den Wald hinein schreit…

Service-Wüste? Aber ja! Mit Respekt begossen, blüht sie, wei jede andere Wüste auch nach einem Regenguss. Bild: Alexander Archangelski/pixelio.de

Service-Wüste? Aber ja! Mit Respekt begossen, blüht sie, wie jede andere Wüste auch nach einem Regenguss. Bild: Alexander Archangelski/pixelio.de

Der Dienstleistungsbereich in Deutschland hat einen schlechten Ruf. Angeblich, so sagt man, sind wir Dienstleister unhöflich, faul und überhaupt ganz furchtbar. So? Sind wir das? Nun, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das stimmt! Vor allem dann, wenn alle möglichen Auftraggeber der Ansicht sind, Dienstleister seien so etwas wie Leibeigene oder der „Hofstaat“. Dann werden wir in der Tat schon leicht grädig und neigen dazu, auf unsere Menschenwürde zu pochen.

Vermutlich wird mancher von Ihnen diese Einleitung provokativ finden, und das ist genau so beabsichtigt. Sollten Sie sich am Ende dieses Textes immer noch provoziert fühlen, dann ist das schade, denn offenbar habe ich mich dann nicht klar ausgedrückt. Sehen Sie? Ganz Dienstleisterin, unterstelle ich keineswegs Ihnen Unbelehrbarkeit. 😉

Was ist eigentlich ein Dienstleister?

Ich werde Ihnen jetzt die Definition des Tertiären Wirtschaftssektors ersparen, dass haben Sie sicher in der Schule gelernt. Ein Dienstleister oder eine Dienstleisterin ist ein Mensch, der irgendetwas besonders gut kann. Diese Fähigkeit stellt er oder sie zur Verfügung, damit andere von dieser Fähigkeit, der erworbenen Erfahrung und der Freude am Tun und Arbeiten im Bereich, profitieren können. Entgegen anderer Annahmen werden wir auf diese Weise weder zu Computerprogrammen, die man nach Herzenslust benutzen kann, noch zu Sklaven, die willigst Befehle auszuführen haben und das teilweise unter wirklich heftigen Bedingungen. Auch werden wir nicht zu Menschen, auf die man irgendwie herab blicken müsste, weil wir ja unsere(n) Kunden (be-)dienen.

Der Kurierfahrer, der Ihnen Ihre Post bringt tut dies keineswegs, weil Sie ihn freundlichst beschäftigen, sondern weil er Ihnen damit die Wege zum Postamt oder dem Logistikzentrum erspart. Möglicherweise hat er oder sie dafür ja vielleicht doch einmal ein Lächeln oder einen freundlichen Gruß verdient, denn reich werden die wenigsten mit den Löhnen in diesem Bereich. Wäre es nicht schön, wenn gerade Sie jener Mensch auf der Tour wären, auf den sich der Kurier freut?

Feinde“ in den eigenen Reihen

Schaut man sich so manchen Chef im Dienstleistungsbereich an, vor allem im Bereich Pflege oder auch im Bereich Einzelhandel, so möchte man meinen, hat man einen solchen Menschen als Chef, braucht man echt keine Feinde mehr. Es ist unfassbar, was sich so mancher hier heraus nimmt. Da wird bespitzelt, unter Druck gesetzt, Hauen und Stechen ist manchem Arbeitsverhältnis noch geschmeichelt und zu guter Letzt wird dann auch noch der ausscheidende Mitarbeiter bei einem möglichen neuen Arbeitgeber angeschwärzt. Können Sie sich kaum vorstellen? Ich darf Sie trösten, es ging mir ebenso, bis sich solche Szenen vor meinen Augen abgespielt haben!

Leider kommen nur die wenigsten Skandale dieser Art ans Licht der Öffentlichkeit. Sucht man dann Hilfe, wird gerne einfach weggeschaut, weil in „unserem Bereich ist doch alles in Ordnung, oder? ODER!?“ Jeder, der was anderes behauptet ist, nun ja, ungeeignet. Es würde sehr helfen, wenn sich die Erkenntnis ausbreiten könnte, dass sich auf beiden Seiten des Chef-Schreibtisches Menschen befinden.

Allen Menschen recht getan…

…ist eine Kunst, die niemand kann“, weiß der Dichter. Haben Sie sich so manches Mal irgendwie unwohl gefühlt mit der mürrischen Verkäuferin, dem kurz angebundenen Kurierfahrer oder dem Kellner, bei dem Sie sich wohl am besten schriftlich dafür entschuldigen sollten, dass Sie ausgerechnet in diesem Restaurant essen? Fraglos gibt es den einen oder anderen, der für den Dienstleistungsbereich ungeeignet ist. Doch trifft das wirklich nicht auf alle oben beschriebenen Vertreter der Zunft zu. So mancher von ihnen hat die Faust im Nacken und ein Einkommen das, wie man so schön sagt „zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“ ist. Dass man da nicht alle Tage froh und heiter sein kann, ist klar. Außerdem gibt es dann immer wieder jene Kunden, die übrigens auch wir Selbstständigen nur zu gut kennen, die offenbar denken, Dienstleister seien ihre persönlichen Fußabstreifer und ja wohl nur deswegen da, damit der „König Kunde“ seine Launen irgendwo auslassen kann.

Kurios finde ich immer, wenn man sich an uns wendet, unsere Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, und sich aber dann berufen fühlt, uns unseren Job zu erklären! Wenn es der verehrte Kunde, die wehrte Kundin so viel besser weiß, warum macht er oder sie es denn dann, bitte schön, nicht einfach selbst? Das spart viel Geld, und man braucht sich auch nicht mit dem „unfähigen Dienstleister“ herum zu ärgern. Oder stellen solche Leute sich auch ins Cockpit ihres Urlaubsfliegers und erklären dem Piloten, wie er das Flugzeug zu fliegen hat? Ach? Das tun sie nicht? Sieh an! Der Mann ist übrigens auch Dienstleister, zumindest hier in Deutschland. 😉

Der Griff an die eigene Nase…

…sollte vielleicht manchmal schon stattfinden seitens derer, die sich lauthals über die Service-Wüste Deutschland beklagen. Wie werden Services denn wahrgenommen? Wie werden die Dienstleister gesehen? Ich meine genau die Leute, die Ihnen all die kleinen und großen Dinge abnehmen, die das Leben, der Beruf nun einmal erfordern, die Sie aber mangels Zeit, Lust oder Fähigkeit nicht selbst leisten können. Merken Sie etwas? Wir Dienstleister sind oft genug Ihre „Heinzelmännchen“ die die Sieben für Sie grade machen, oder dafür sorgen, dass die Dinge rund laufen. Wir tun das, weil wir das wollen, weil es unsere Leidenschaft ist. Wir tun das für Sie und wir tun es sehr, sehr gern. Vielleicht mögen Sie uns ja jetzt ein kleines bisschen mehr und sehen in uns das, was wir sind: Menschen mit einer besonderen Fertigkeit, die wir Ihnen anbieten, damit etwas nicht nur „ganz okay“ sondern richtig super wird. In diesem Sinne: Auf gute Zusammenarbeit, denn das können wir alle, die wir Dienstleister sind, am aller besten.

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Wir im Internet – Entwicklung oder Rückschritt?

Bits und Bytes verbinden die Welt und jeden einzelnen von uns. Bild: Rainer Strum/pixelio.de

Bits und Bytes verbinden die Welt und jeden einzelnen von uns. Bild: Rainer Strum/pixelio.de

In den letzten Tagen sah ich mich immer wieder in angeregten Unterhaltungen über das Internet und Social Media. Facebook, Twitter und Co haben die Gesellschaft verändert, ein Stück weit sogar die Welt. Man denke nur an den maßgeblichen Einfluss, denn Facebook beim „Arabischen Frühling“ hatte. In der weltweiten Meinungsbildung ist das Internet mittlerweile der wohl wichtigste Einflussfaktor überhaupt, manche Printmedien kämpfen heftig ums Überleben.

Doch hat das Internet einen noch weitreichenderen Einfluss, auf jeden von uns nämlich. Inzwischen ist es eher ungewöhnlich, wenn man nicht direkt oder indirekt online ist. Natürlich kann man auch indirekt online sein, etwa über Fotos, auf denen man zu sehen ist und die hoch geladen wurden. Die Informationsflut im Internet ist gewaltig und sie wächst in rasendem Tempo. Dies hat gute und schlechte Seiten. Bewirbt man sich etwa um eine neue Stelle, ist es in zwischen ganz normal, dass man „gegoogelt“ wird. „Googlen“ selbst hat als Wort Eingang in den Duden gefunden. Das sollte man allerdings wissen und bedenken bei seinen Aktivitäten in sozialen Netzwerken oder zum Beispiel auch beim bloggen, dass das Internet rein gar nichts vergisst und mit etws Geduld absolut alles wieder auffindbar ist.

Soziale Netzwerke – Fluch oder Segen?

Wann immer ich hier gefragt werde pflege ich zu antworten: Weder noch. Sie sind einfach da. Es ist sicher ratsam, die AGBs, denen man beim Einrichten des Account zustimmt, zumindest oberflächlich gelesen zu haben. So erspart man sich böse Überraschungen, wie etwa den vollständigen oder teilweisen Verlust der Urheberrechte an Bildern und Texten, die man postet. Darüber hinaus sollte man sich klar machen, was so ein soziales Netzwerk eigentlich ist. Es ist eine Kommunikationsplattform. Für alle Formen von Kommunikation. Und, ganz wichtig, in dem Moment, in dem man etwas einstellt, steht es im Internet. Mit allen Konsequenzen, etwa denen, dass es über Suchmaschinen gefunden werden kann und potentiell die ganze Welt sehen und lesen kann, was man da gepostet hat.

Wer also sehr Persönliches oder Privates auf ein soziales Netzwerk stellt, oder dort seine persönlichen kleinen „Kriege“ führt, tut dies buchstäblich vor den Augen der Welt. Es erstaunt mich immer wieder, dass gerne schon mal ein großes „Heulen und Zähne klappern“ ausbricht, wenn es entsprechende Folgen zeigt. Es ist wirklich sehr dumm, sich morgens krank zu melden, am nämlichen Tag ein Selfie vorm Malle-Flieger auf Facebook zu stellen, allen ein schönes Wochenende zu wünschen und sich dann auch noch über die fristlose Kündigung zu wundern. Dabei braucht man nur zu wissen, was man eigentlich da macht: Man verbreitet Informationen. An seine Netzwerkverbindungen und eben auch an alle anderen, die eine Suchmaschine bedienen, und einen Treffer anklicken können!

Im sozialen Netzwerk findet das gesamte Kaleidoskop menschlicher Beziehungen statt. So manche glückliche Partnerschaft hat auf Facebook oder Twitter begonnen, ebenso wie Freundschaften, Feindseligkeiten oder oberflächliche Bekanntschaften. Ich denke, und das ist meine ganz persönliche Meinung, der menschliche Kontakt über diese Medien ist nicht weniger sondern einfach nur anders als in der persönlichen Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Sicher, man sieht den anderen nicht. Doch wenn man länger chattet, bilden sich dafür andere Muster. Man bekommt ein Gefühl für die sprachlichen Gewohnheiten, den Tagesrhythmus, Vorlieben und Abneigungen. Manches tippt man leichter, als das man es sagt und umgekehrt. Natürlich gibt es massenhaft „Faker“, also Nutzer die vorgeben jemand anderer zu sein als sie sind. Aber, mal ehrlich, gibt es die im richtigen Leben nicht in genauso großer Zahl? Wie oft stellt man schmerzvoll fest, dass man sich in jemandem nachhaltig getäuscht hat trotz lebhaftem und häufigem persönlichen Kontakt?

Bloggen, Vloggen und Instagram

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, sich mitzuteilen. In einer dieser Möglichkeiten lesen Sie gerade, in einem Blog. Warum macht man sowas eigentlich? Das Format ist eine der großen Erfolgsgeschichten im Internet. Aus einer Art öffentlichem Tagebuch zu Anfang hat sich eine wichtige Größe im Web entwickelt. Es gibt Werbeblogs, solche die sich mit bestimmten Themen befassen und bunte Blogs, die ein wenig Tagebuch-Charakter haben. Warum jemand einen Blog schreibt ist vermutlich eine immer sehr persönliche Entscheidung. Ebenso übrigens wie die, warum jemand einen Blog liest. Ich lese sehr gerne Blogs, weil ich sie als Einladung empfinde, ein wenig das Leben eines anderen Menschen zu teilen. Sei es, dass der Blogger, die Bloggerin ein bestimmtest Interesse hat, oder einfach erzählt. Diese Einfach-erzählen-Blogs mag ich übrigens am liebsten. 😉

Ganz ähnlich sind meine Motivationen, zu schreiben. Wenn ich irgend etwas mitteilen möchte, gibt es kein besseres Medium für mich. Ich vertraue dann einfach darauf, dass die, die wissen wollen was ich zu sagen habe, ihren Weg hier her schon finden werden. Und falls nicht, wozu gibt es google?

Eine relativ neue, dafür umso erfolgreichere Variante des Blogs ist der Vlog. Hier wird nicht geschrieben, sondern ein mehr oder minder aufwändiges Video produziert und meist auf Youtube gestellt. Dieser Trend hat derart Fahrt aufgenommen, dass es neben Schauspielern, Musikern und Comedians inzwischen eine weitere Promi-Größe gibt, die Youtuber. Konzerne entdecken sie als Werbeträger und TV-Formate buhlen um Auftritte von Youtubern, damit sie auf der Welle mit schwimmen können. Dass diese meist jungen und außerordentlich kreativen Menschen für Produktionsfirmen im Medienbereich einen gewaltigen Markt darstellen, brauche ich sicher nicht zu erwähnen.

Instagramm, Tumblr und ähnliche schließlich, bilden die dritte Variante der persönlichen Internetpräsenz. Hier können Bilder und Fotos hoch geladen und der ganzen Welt gezeigt werden.

Jeder einzelne weltbekannt?

Potentiell ist das sicherlich richtig. Doch wie in der menschlichen Gesellschaft im Alltagsleben auch gibt es bekanntere und weniger bekannte, gefragtere und weniger gefragte in der virtuellen Welt. Ich persönlich finde es eine Bereicherung, dass das Internet persönlich wurde und jeder daran mitwirken kann. Genau das tun wir Blogger, Twitterer und wo wir nicht noch alle aktiv sind: Wir wirken am Internet mit. Unsere Inhalte machen das Web. Das Web bietet uns die Bühne für unsere Kreativität. Hier können wir uns austoben und unsere Ideen, Visionen und Gedanken mit der Welt teilen. Wann immer jemand schaut oder liest, dann teilt in diesem Menschen potentiell die Welt mit uns.

Es wurde immer wieder die Befürchtung geäußert, dass Internet würde uns entmenschlichen und für Isolation sorgen, weil die Illusion einer Gemeinschaft entsteht. Ich verstehe diese Überlegungen durchaus möchte aber hinzufügen, dass natürlich potentiell auch das Gegenteil im Raume steht. Es kommt immer darauf an, was der Einzelne, Sie, ich oder auch die Leute in unseren Timelines, daraus machen. Genau wie so manche andere wichtige Kraft, etwa die Elektrizität oder auch Wärme, ist das Internet in unserem Leben zunächst weder Segen noch Fluch. Es liegt bei uns, was wir daraus machen.

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