Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Wenn sich die Geschichte wiederholen will….

 

….kann man entweder mit gröhlen, oder einfach mal nachdenken. Dieser Blogeintrag wird der wohl persönlichste bisher, denn einige Leute halten es auf Twitter für angemessen, mich für meine Haltung gegenüber den Flüchtlingsströmen anzufeinden. Einigen dieser kaum als intellektuell zu bezeichnenden Zeitgenossen biete ich, ganz Dienstleisterin, hier an, ihnen das Denken ein bisschen zu erleichtern oder gar abzunehmen.

Wir werden das ganze in Form einer dialektischen Erörterung vornehmen, die offensichtlich weit verbreiteten „richtigen Deutschen“ sollten ja wohl mit dieser Technik aus dem Deutschunterricht vertraut sein. Nun gut, fangen wir also an.

These: Deutschland wird von Flüchtlingsströmen überrollt. Das Land kann die gewaltigen Herausforderungen kaum stämmen. Die meisten sind sowieso Wirtschaftsflüchtlinge, die Verbrechensrate nimmt wegen ihnen zu und wir werden garantiert bald ausgerottet.

Diese These ist ein Querschnitt aus den Tweets, die ich las und eine Mischung aus Fakten und Schwachsinn. Das Schlimme ist, das jeder der sich die Mühe macht, sich einfach mal ein bisschen zu informieren schnell finden würde, dass es für die „Krimigration“ , ein beliebter Hashtag auf Twitter, nicht einen einzigen, haltbaren, statistischen Beleg gibt! Beispiel: Wohnungseinbruchdiebstähle. Die Aufklärungsrate liegt unter 40 %. Auf Grund welcher mathematischen Grundlage wird also die Behauptung aufgestellt, die meisten Täter seien aus dem Ausland!? Die meisten Täter werden noch nicht einmal gefasst, so siehts aus, liebe „besorgte Wutbürger“!

Kritik an der Flüchtlingspolitik – das Pro

Wir haben hier in Deutschland ein Problem. Ein großes sogar. Denn offensichtlich sind wir die „Macher“ in der EU. Wann immer Europa ein Problem hat, so wird selbstverständlich voraus gesetzt, dass Deutschland die Lösung oft präsentiert, immer aber vollzieht. Betrachtet man die anderen EU-Partner, so landen in Deutschland bei Weitem die meisten Flüchtlinge. Das ist Fakt und steht unhinterfragt. Damit entstehen gewaltige Kosten, unter denen vor allem kleinere Gemeinden zusammenzubrechen drohen. Wo ist hier der Staat? Warum greift der Bund nicht helfend ein? Man hört von Milliarden von Steuerüberschüssen. Wo gehen die hin, Herr Schäuble??

Es ist ja nicht nur der Wohnraum und die Starthilfe. Idealerweise sollten Flüchtlinge aus Kriegsgebieten auch psychologisch betreut werden. Sie sollten einen Sprachkurs erhalten, idealerweise Englisch, denn ob es die „Wutbürger“ glauben oder nicht, die meisten Flüchtlinge wollen mit nichten hier bleiben! Und gibt man ihnen die Möglichkeit weiter zu ziehen, werden sie das auch tun. Nur die muss man halt schaffen, durch das Absenken der Sprachbarriere zum Beispiel. Oder auch, und hier sind die Europäischen Nachbarn gefragt, durch das Schaffen von Möglichkeiten in anderen Ländern. Leider hört man aus Frankreich und England eigentlich nur, wie die Damen und Herren ihre Länder möglichst „flüchtlingsdicht“ machen, denn die Deutschen werden es schon richten, nicht wahr? Das kann beim besten Willen nicht sein! Weder Nachbarschaft noch „Freundschaft“ und erst recht eine Union funktionieren nicht so. Vielleicht sollte der besorgte „deutsche Wutbürger“ seine Wut mal an den europäischen Nachbarn auslassen, die Konferenzen halten und Programme vorlegen können, aber effektiv rein gar nichts tun, außer vielleicht sich tunlichst raus zu halten.

Ich verstehe die Überlegung der Kritiker an der deutschen Flüchtlingspolitik sehr gut. Schlimm finde ich, wenn solche berechtigte Kritik zum Deckmäntelchen für Rassismus wird. Dieser Trend greift um sich wie die berühmte Pest, die so mancher Twitterer ja angeblich meidet. Lieber rechter, pardon, „besorgter“ Freund, Sie brauchen sie nicht mehr zu meiden, die Pest. Auch an ihr steckt man sich nur einmal an. Fest steht hingegen, dass Deutschland an den Grenzen seiner Kapazitäten ist, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Fest steht auch, dass Flüchtlinge ihre persönlichen und religiösen Fehden mitbringen, und hier weiter austragen. Dies ist inakzeptabel. Nicht nur der Gast ist heilig, auch der Gastgeber muss geehrt werden. In meinem Haus gelten meine Regeln, ganz gleich wer kommt. Wer sich nicht daran halten will, wird gehen müssen. Das gilt auch für mein Land. Der Flüchtlingsstatus darf nicht als Freibrief mißbraucht werden, hier Unfrieden zu stifften oder seinen persönlichen Rachegelüsten und Kleinkriegen nachzugehen.

Ausländer raus!“ – das Kontra

Wir leben hier in vergleichsweise gesicherten politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Abgesehen von dummen Mobbereien auf Twitter und Co brauchen wir hier kaum etwas zu fürchten. In unserem Land herrscht Frieden und Wohlstand (Definition: „Deckung aller Grundbedürfnisse in umfassender und menschenwürdiger Weise“, nur falls manche Begriffsverständnisschwierigkeiten haben). Niemand von uns kann sich vorstellen, um das nackte Überleben fürchten zu müssen. Niemand kann sich vorstellen was es bedeutet, dem eigenen Kind beim Verhungern zu sehen zu müssen. Oder hilflos die Krankheit der Eltern zu ertragen, weil medizinische Hilfe nicht zur Verfügung steht. Niemand von uns hier kann das. Aber offenbar gibt es doch viele, die der Ansicht sind, das sei gut und richtig so und doch wohl kein Grund, zu flüchten. Giftgasangriffe, Massaker, der Typ der hinter der nächsten Ecke steht um Sie zu erschießen, wären für Sie also kein Grund, lieber „Wutbürger“, Ihre Familie und sich in Sicherheit zu bringen?? Ich dachte, Sie halten Werte wie Familie und den Schutz derselben ach so hoch. Warum werfen Sie also Mustafa aus Syrien vor, dass er genau dasselbe tut, wenn er mit seiner Frau Fatima und den drei Kindern hier im Auffanglager landet?

Hat irgendjemand von Ihnen die jüngsten Bildungsstudien betrachtet? Schon, aber gleich wieder verdrängt, nicht wahr? Da war nämlich zu lesen, dass die Sprachkenntnisse und auch der Bildungsstand in anderen Bereichen bei den Kids mit Migrationshintergrund deutlich über den Werten der Deutschen liegt! Also, lieber „Wutbürger“, statt zu gröhlen, setzen Sie sich doch mal mit klein Fritzchen oder klein Hertha (natürlich haben Ihre Kinder so richtig deutsche Namen, nicht wahr?) irgendwo hin und pauken Sie Deutsch! Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, wären Deutschkenntnisse auf Muttersprachlerniveau Einstellungsvorrausetzung, würden Max und Moritz und Chantal garantiert in diesem Leben keine Lehrstelle bekommen. Nirgends! Nachdem wir ein bisschen Staub gewischt haben kommt die unangenehme Idee zum Vorschein, dass sich der „besorgte“ Bürger ganz offenbar bedroht fühlt, von den fleißigen, pardon, „bösen“ Ausländern, die mit harter Arbeit die Qualifikation für den Job erworben haben, die der deutsche Hauptschüler leider durch Saufen und Prügeln nicht erreichen konnte, und dem deswegen „der Job weggenommen“ wurde?? Merken Sie’s noch? Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Vielleicht könnten die ganzen, teils hochqualifizierten, pardon, „bösen“ Ausländer ja mal zum Anlass genommen werden, etwas klarer zu sehen. Zum Beispiel, dass Arbeit immer weiter hilft. Dass man sich das, was man haben will erwerben muss. Auch Jobs. Selbst wenn man so richtig deutscher Deutscher ist!

Fazit

Am Ende des Tages kann und darf man nicht verallgemeinern. Als ich klein war, erfuhr ich von meinen Großeltern, dass die Schrecken des Dritten Reiches im besonderen auf die Kappe der „Maulfaulen“ und Mitläufer ging. Die Ereignisse an sich und schon gar nicht das Ausmaß wäre möglich gewesen, wenn nicht der Großteil der Deutschen einfach weggeschaut, oder mit gegröhlt hätte, beides natürlich, ohne nachzudenken. Im Land der Dichter und Denker, wohlverstanden! Wie wäre es mit etwas mehr Konsequenz? Sie alle, und Sie ganz besonders, liebe „besorgte Wutbürger“ schätzen doch wohl das Internet. Um sich auszutauschen, zu organisieren und natürlich auch, um die neuesten Thesen zu diskutieren. Spätestens mit dem World Wide Web begann sie zu rennen, die Globalisierung. Der Planet wurde zum Dorf in der Milchstraße, die Völker der Erde wurden zur Menschheit. Schön eigentlich, oder? Und warum wird dieser Trend, den übrigens sämtliche „Wutbürger“ einschließlich der „Arian Nation“ und dem „Ku Klux Clan“ nicht aufhalten werden, nicht mit aller Konsequenz angenommen? Warum kann Europa den so gern und oft beschworenen „engen Schulterschluss“ nicht einfach mal praktisch vollziehen? Und warum kapiert eigentlich keiner, dass jeder das Recht hat, um sein Leben zu laufen und nach einer Zukunft für die eigenen Kinder zu suchen? Wir Deutschen kennen ihn doch, jenen machtvollen und magischen Satz: „Wir sind ein Volk“. Zeit, das Ganze auch einmal auf die humanoide Rasse auf diesem Planeten anzuwenden, finden Sie nicht? Vielleicht kann Deutschland das Flüchtlingsproblem nicht lösen. Aber wir alle zusammen auf dem europäischen Kontinent, wir könnten das, davon bin ich überzeugt. Also, lieber „Wutbürger“, wenn Sie mal statt „Ausländer raus“ oder „Krimigration“ und ähnlichem Unfug auf den Straßen nach den europäischen „Freunden“ brüllen würden, wenn Sie die Regierungschefs unserer „Unionspartner“ anfeinden würden dafür, dass sie sich schön raus halten aus dem was schlicht und einfach Weltgeschehen ist und uns alle angeht, dann würde ich sogar mit schreien.

Ich wäre ja dringend dafür, dass man das braune Zeug mal ab wäscht und das rosarote auch. Man könnte dann zur Abwechslung mal klar sehen und vielleicht mit echten Lösungen daher kommen, statt mit Armseligkeiten wir brennenden Flüchtlingsheimen.

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