Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Ein Freitagabend in Europa

Der Arc De Triomphe in Paris. Bild: Christopher Zapf/pixelio.de

Der Arc De Triomphe in Paris. Bild: Christopher Zapf/pixelio.de

Freitag. Die Woche vorbei, zwei Tage Ruhe. Am Abend, ein Fußballländerspiel. Deutschland gegen Frankreich im Stade De France. Klingt doch alles super. Mein Jüngster, genauso fussballbegeistert wie ich ich, freut sich schon, mit mir zu gucken. Alles ist wie immer. Bis zur 20. Minute. Es knallt furchtbar laut. Sogar wir zucken zusammen. Ein paar Minuten später noch einmal. Unsicherheit. Und dann ist es da, dieses Laufband. „Eilmeldung“ steht da. „Mehrere Explosionen und Schüsse in Paris“. Im Wohnzimmer Totenstille. Mein Sohn und ich schauen uns mit großen, ratlosen, fassungslosen Augen an. Langsam wird klar, was da vor sich geht. Man lässt weiter spielen, damit keine Panik ausbricht und auch, weil man die vielen Menschen im Stadion nicht in die Gefahr schicken will, die man selbst immer noch nicht genau kennt. Gut so, der beste Weg, die Leute zu schützen.

Dann der Abpfiff. Es wird grausame Klarheit: Paris erleidet einen schweren Terroranschlag. Menschen sind entsetzt, fliehen aufs Spielfeld, weinen oder brechen einfach zusammen. Da ist es auch mit unserer Fassung vorbei. Wir halten uns fest und weinen auch. Weinen mit und um Paris und die Menschen dort. Weinen, weil die Welt, die wir noch vor einer Stunde für selbstverständlich hielten, die recht sicher war, weil diese Welt einfach weg ist. Weg gebombt von ein paar Wahnsinnigen, die behaupten im Namen Allahs morden und zerstören zu dürfen. Der schöne Freitagabend ist weg. In ganz Europa ist er einfach weg. Konzertbesucher werden ermordet, ebenso Menschen, die mit Freunden einen schönen Abend im Restaurant oder in einer Bar verbringen wollten. Sie freuten sich auf schöne Stunden, und fanden den Tod. Auch jetzt ist das alles noch so unfassbar, dass es irgendwo in meinem Kopf flüstert: „Vielleicht ist das ja doch alles nur ein Alptraum und der Wecker klingelt bald“.

Und jetzt?

Mein Sohn fragt das. Immer wieder. Und ich auch. Ich habe keine Antwort. Alles was ich weiß, ist das wir kämpfen müssen. Darum, dass wir nicht blindwütig mit hassen. Dann hätten die Terroristen gewonnen. Und um das, woran wir glauben, das was Europa ausmacht. Die Freiheit nämlich, die Demokratie, die Menschenrechte und unsere Art zu leben. Nein, diese destruktiven, gewissenlosen Mörder handeln nicht im Namen Gottes. Sie handeln auch nicht im Namen des Islam oder gar für diese Religion, im Gegenteil. Der Koran verurteilt solches Tun aufs Schärfste und wenn nur die Hälfte der Strafen stimmt, die Allah für solche Täter vor sieht, möchte ich wirklich nicht in deren Haut stecken.

Dieser Anschlag war nicht nur überraschend, weil er so plötzlich kam. Er war auch überraschend, weil er mir gezeigt hat, wie sehr ich eigentlich Europäerin bin. Ich glaube, wäre das Ziel München oder Berlin gewesen, es hätte mich nicht tiefer getroffen. Es waren meine Mitbürger, die da attackiert wurden, litten und starben. Es ist mein Land, das unter dem Terror erzittert. Ich bin über mich selbst erstaunt, denn bisher war Europa sehr abstrakt für mich. Dachte ich wenigstens. Vielleicht geht es nicht nur mir so. Vielleicht kann aus dem Entsetzlichen etwas Gutes erwachsen. Zum Beispiel, dass Europa nicht mehr nur eine schöne Idee ist, sondern Wirklichkeit wird.

Refugees?? Welcome!!

Würden wir jetzt die Menschen, die zu uns flüchten verdächtigen, ablehnen, ausgrenzen, dann würden wir zu Handlangern des IS. Diese Gruppe nennt die Flüchtlinge „Verräter“ und drohte ihnen mehrfach, sie auf der ganzen Welt zu hetzen. Ich finde, man sollte Terroristen nicht helfen. Im Gegenteil, man sollte sie sabotieren, wo man kann. Ich kann das. Und Sie auch. Indem wir uns eben nicht gegen die Flüchtlinge stellen. Indem wir uns eben gerade nicht radikalisieren, denn das wollen die Terrororganisationen ja erreichen. Ich weiß nicht, was Sie tun werden, aber ich werde dem Terror Widerstand leisten, wo ich nur kann. Ja, ich habe Angst. Große sogar. Aber ich werde weder mein Tun, noch meine Entscheidungen und erst recht nicht mein Menschenbild von dieser Angst kontrollieren und manipulieren lassen! Das ist nicht viel, was ich da mache. Aber es ist etwas. Und wenn viele das tun, wird es vielleicht doch etwas Großes.

Mein tief empfundener Dank gilt dem Securitybediensteten, der verhindert hat, dass Bomben ins Stade De France kamen. All den Menschen, die geholfen, getröstet und beigestanden haben und dies immer noch tun, wo sie nur können. Mein persönlicher Dank gilt jedem, der sich nicht einschüchtern lässt. Diese Verräter und Mörder werden uns nicht zum Verrat an unseren Wahrheiten bringen. Wir stehen zusammen. Weltweit. Mein Dank gilt allen, egal welcher Nation, die im Kampf gegen den Terror stehen. Vielleicht sollte wirklich jeder der kann, beten. Um Frieden. Darum, dass Unschuldige beschützt sind. Darum, dass der Hass nicht siegt, auf keiner Seite. Und wissen Sie, was wir noch beschützen, verteidigen und um jeden Preis behalten sollten? Die Hoffnung. Auf das Gute. Darauf, dass dieser Wahnsinn ein Ende finden wird. Und darauf, dass die Wunden mitten in Europa, in Paris und auch die an den Leibern und Seelen der Opfer und ihrer Angehörigen irgendwann heilen mögen.

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Sankt Martin – Nur Laternen und eine schöne Geschichte?

Martinslichter in der Dunkelheit....Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de

Martinslichter in der Dunkelheit….Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de

 

Der Martinstag nähert sich, Laternen werden gebastelt und in Schulen und Kindergärten wird die Legende vom Heiligen Martin erzählt. Sie wissen schon, der Typ mit dem Pferd und dem Mantel. Wie war das noch? Ach ja! Martin war ein römischer Legionär, der nachts auf einer Straße im Schneetreiben unterwegs war. Als er sich endlich seinem Ziel näherte, saß da ein halbnackter Mann in Schnee und Eis, und fror bitterlich. Martin hatte alle seine Vorräte aufgebraucht. Er hatte nur noch seine warmen, dicken Reisemantel und sein Schwert. Zum Entsetzen des Bettlers zog Martin sein Schwert, doch nicht, um den armen Mann zu töten, sondern um seinen Mantel damit entzwei zu schneiden, und ihm eine Hälfte zu geben. Warm war ihnen danach wohl beiden nicht, aber beide würden auch in dieser Nacht zumindest nicht erfrieren….

Eine zauberhafte Geschichte, nicht wahr? Und die Kinder haben so eine Freude daran! Wie könnten sie besser sehen, was ein guter Mensch ist? Diese zentrale Legende des christlichen Abendlandes war vermutlich nie so aktuell, wie in diesen Tagen. Nehmen Sie sich ein Beispiel am Heiligen? Oder schreien Sie lieber auch, ‚die Flüchtlinge nehmen uns alles weg‘? Messen Sie auch mit zweierlei Maß? Wenn sich ein Mann aus Syrien, Eritrea, der Ukraine oder sonst wo her nicht benehmen kann, ist das ein Sakrileg, bei einem deutschen allenfalls ein Kavaliersdelikt? Wo waren den die Entsetzensschreie der ach so guten deutschen Menschen, als dieser schändliche Mord an Mohammed und Elias bekannt wurde, verübt von einem deutschen Kinderschänder!? Niemand fand das besonders schlimm, wie es scheint. Unter ‚ferner liefen‘ ging diese Meldung in den sozialen Netzwerken unter. Wo ist sie geblieben, unsere Wertegesellschaft? Wo ist sie denn, die so lautstark beschworene Demokratie?? Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich!? Es scheint, als wären einige gleicher. Und wer, das steht im Pass.

Alles hat immer zwei Seiten….

Die der „besorgten Bürger“ bekommen wir regelmäßig ins Gesicht geknallt. Die der Politiker, die finden, dass sie angesichts von Umfrageergebnissen vielleicht auch mal ein bisschen „besorgt“ sein sollten, auch. Wer macht sich eigentlich einmal Gedanken, um die Menschen, die kommen? Doch, doch, wirklich! Flüchtlinge sind tatsächlich auch Menschen! Solche, die in entsetzliche Not geraten sind. Die alles verloren haben. Die ein geordnetes Leben aufgeben mussten, weil sie um ihr Überleben fürchten müssen. Sie kommen nach Europa, in der verzweifelten Hoffnung, sich auf diesem nicht gerade kleinen Kontinent irgendwo ein Weilchen verstecken zu können. Was sie erleben, sind geschlossene Grenzen. Sie werden herum gestoßen, beschimpft und müssen auch hier um Leib und Leben fürchten. Ob Sie es sich nun vorstellen können, oder nicht: Auch diese Menschen haben eine Würde, die unantastbar ist! Das steht sogar in der EU-Verfassung.

Was glauben Sie, wie es dem eigentlich gut organisierten und wohl gestellten syrischen Geschäftsmann, Arzt, Ingenieur…geht, wenn er hier in die Kleiderkammer muss?! Interessiert Sie nicht, nehme ich an? Machen die Deutschen doch auch?? Oh ja! Viele von ihnen. Und am liebsten sind mir die, die alles nehmen, was nichts kostet. Die nicht wirklich bedürftig sind, aber „einen Anspruch“ haben. Solche Leute sind in meinen Augen Diebe. Die den Ärmsten, egal welcher Nationalität, auch noch das letzte nehmen. Ich frage mich, warum die ach so „besorgten Bürger“ nicht einfach mal konsequent sein können, in ihrem Geschrei: Wenn man schon Sorge um den Wohlstand haben muss, und dass wir bloß nicht teilen müssen, warum plärren diese so „weitsichtigen und wohl meinenden Mitbürger“ denn dann bitte schön nicht genauso laut gegen die deutschen Sozialschmarozer? Ja, genau die, die Hartz IV beziehen, weil sie sich für die eine oder andere Arbeit zu fein sind. Genau die, die Kleidergeld, Wohngeld, Heizkostenzuschlag und natürlich Sachleistungen bekommen und trotzdem in die Kleiderkammern rennen. Das ist in Ordnung, weil aus diesen Reihen ja sehr viele „Besorgte“ kommen. Ich kann mir die Sorge nur zu gut vorstellen. „Wenn hier jemand vom Staat durch gefüttert werden muss, dann ja wohl ich! Schließlich bin ich Deutscher!!“

Europa macht sich selbst zum Witz

Ich höre schon Ihre Einwände: „Das klingt jetzt aber hart!“ oder auch: „Ja, genau! Scheiß Euro!“. Das „christliche Abendland“ wie wir uns hier auch oft so gerne schimpfen, tritt alle christlichen Werte mit Füßen. Obwohl ich keine Christin bin, scheine ich Eure Bibel doch genauer zu kennen als Ihr! Wie war das noch? „Was Ihr meinem geringsten Bruder tut, das tut Ihr mir?“ Aha! Ihr Christen beschimpft Euren Erlöser also?! Neidet ihm die Suppe im Teller oder den Pulli auf der Haut??? Und Ihr wollt, „dass er wieder komme und Recht halte“?? Was glaubt Ihr, wie das ausginge? Oder auch „selig die Friedfertigen, denn sie werden das Land besitzen“….Na? Scheint als wollten die zündelnden „Besorgten“ kein Häuschen mit Garten. „Wehe denen, die Böses über ihren Mitmenschen reden, sie sind Gott ein Gräuel“…..aber die Flüchtlinge kommen ja nur, um deutsche Frauen zu vergewaltigen, Europa zu unterjochen und uns auch noch das letzte Hemd zu stehlen, richtig? Merkt Ihrs eigentlich noch?!

In Frankreich plärrt man besonders laut gegen die „Islamisierung“. Man beschwört schon mal den „Kampf der Systeme“. Nun, würde ich gefragt, dann hätte das „christliche“ Abendland schon jetzt auf ganzer Linie verloren. Nichts von alledem, was Ihr als Eure Tradition bezeichnet, hält Stand. Sollten die hier ansässigen muslimischen Gemeinden tatsächlich die „Stärkeren“ sein? Weil sie die Mildtätigkeit, die der Islam fordert so gut sie können leben? Und, hey, viele Flüchtlinge fliehen aus religiösen Gründen. Sie sind CHRISTEN wie Ihr! Dummerweise aus einem anderen Land…macht sie das zu „Mitmenschen zweiter Klasse“? Es scheint so. Europa hält sich doch für so gebildet. Warum ist es offenbar unmöglich, zu differenzieren? Die Muslime die kommen, sind gemäßigt und werden deswegen verfolgt! Einer Eurer Großen, Napoleon, sagte einmal sinngemäß, den Feind zu kennen, sei der halbe Sieg. Über den Islam und die islamische Kultur weiß man hier erschreckend wenig, wie es scheint. Ich finde, man sollte das abstellen. Ob wir das begrüßen, oder nicht: Der Islam ist eine wichtige Größe im Weltgeschehen. Im Guten, wie im Schlechten. In einen Satz gepresst lautet der Wissensstand etwa so: „Die Muslime sind böse. Warum wissen wir nicht, aber wir wissen ganz genau, dass sie es sind. Weil nämlich der….oder die… das sagt!“ In manchen Gegenden nennt man dass Dummheit.

Deutschland stößt an seine Grenzen….

….weil ein großer Teil unserer „Unions-Partner“ die Köpfe in den Sand stecken! Wir machen mal die Grenzen dicht! Am besten sollte man den Eurotunnel mit Beton ausgießen, damit ja niemand nach Groß-Britannien kommt. Europa sind wir alle, wenn es irgendwo was zu holen gibt. Wenn diese, vom Grundgedanken äußerst vielversprechende Union aber mal gefragt ist, dann sollen es doch lieber die „europäischen Nachbarn“ regeln, nicht wahr? Es stimmt, Deutschlands Kapazitäten sind erschöpft. Wir wissen nicht mehr, wohin mit all den Flüchtlingen. Unser Problem: Wir nehmen immer noch unsere Verfassung ernst, ganz im Gegensatz zu so manch anderem „Partner“ der die Menschenrechte genauso ratifiziert hat, wie wir.

Wenn Europa auf die Idee käme, die Flüchtlingsströme als erste große gesamteuropäische Herausforderung zu sehen und sie so zu nehmen, dann wäre der jetzt statthabende Teil der Weltgeschichte lösbar. Wenn Europa das täte, dann würde es der Welt zeigen, dass es weit mehr ist als Schall und Rauch. Und dann…würde man uns Europäer am Ende sogar irgendwann einmal als „kleine Weltmacht“ ernst nehmen, die wir doch so gerne wären. Fröhlichen St. Martin! Und lassen Sie sich Ihre Gans schmecken….vielleicht ja sogar, nachdem Sie Ihr altes Bettzeug in die örtliche Kleiderkammer gebracht haben, damit sich irgendwo ein Flüchtlingskind zu decken kann, in einer kalten europäischen Winternacht.

Dieser Eintrag gibt meine ganz persönliche Sicht wider. Wenn Sie sich nach dem Lesen genötigt sehen zu kommentieren, atmen Sie noch einmal durch. Am Ende geben Sie mir Recht, ohne es zu wollen denn: Getroffene Hunde bellen!

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