Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Zum Glück haben wir Probleme….

 

….den wie, bitte schön sollten sich die umgebenden Supermächte denn sonst profilieren?! Trump, Präsidentschaftskandidat in den USA sieht den Niedergang Europas, Schuld ist Deutschland (wer auch sonst!?). Das ist eine sehr höflich formulierte Zusammenfassung der polemischen Phrasendrescherei, die dieser Mensch „Wahlkampf“ nennt. Und jetzt? Springt Putin, seines Zeichens Präsident der heftig bröckelnden Russischen Föderation, auf den selben Zug auf.

Vor wenigen Tagen war zu lesen, dass der Mann im Kreml sich selbst als „Retter des Abendlandes“ sieht. Nun, das ging ja noch. Ich hab mich ein paar mal geschüttelt und mir gedacht: „Lass ihn doch! Du hast ihn mal für einen denkenden und vernünftigen Menschen gehalten, könnte er ja immer noch sein, nicht wahr?“ Gestern nun war zu lesen, in welcher Weise in Russland Propaganda gemacht wird: Aus vier (!) Russlanddeutschen, die bei einem Flüchtlingsheim ein paar Fenster eingeworfen haben, wurden stattliche 400 (!!) Mann russischer Herkunft, die „die deutschen Probleme in die Hand nahmen“ und ein Flüchtlingsheim stürmten. Allmächtiger! Geht’s noch?! Ich meine, unsere Probleme sind groß genug, verehrte Anrainer-Supermächte! Ihr könnt das Propaganda-Vergrößerungsglas ruhig wieder weg legen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, ich bin sicher unsere Regierung und auch wir, das Volk, sind für jede vernünftige und effektive Hilfe dankbar. Pöbelnde Mobs haben wir schon selber genug, die brauchen wir nicht als Russland-Import.

In der Not zeigt der Freund sein Gesicht“

Man sagt das mit Fug und Recht. Unsere „amerikanischen Freunde“ haben außer Phrasendrescherei und der Benutzung unserer Probleme als Vorwand für steigende Fremdenfeindlichkeit rein gar nichts zu bieten. Ich frage mich immer lauter, ob Europa und ganz konkret Deutschland solche Freunde eigentlich braucht? Vielleicht ist es Zeit, diese Beziehung an den richtigen Platz zu stellen: Geschäftspartner. Fertig. Ach ja richtig! Die Herrschaften sind ja viel zu beschäftigt damit, syrische Zivilisten zu bombardieren und, oh Schreck! Damit die Flüchtlingsströme noch zu vergrößern.

Und Russland? Nun ja. Das größte Land Europas war ja schon immer irgendwie anders. Bisher fand ich persönlich dieses Anders-Sein durchaus liebenswert. Inzwischen….ist man da ganz genauso. Die Arktis-Grenzen sind dicht (damit ja keine Flüchtlinge kommen) und wer als Flüchtling in Russland landet hätte, so könnte man nach dem Lesen von Erfahrungsberichten meinen, ebenso gut zu Hause bleiben können. Kürzlich erst sah sich Präsident Putin aufgerufen, dem größten BILDungsträger der deutschen Medienlandschaft ein ausuferndes Interview zu geben. Nun, es scheint, dass es dem Mann durchaus wichtig ist, was der Deutsche auf der Straße von ihm hält. Sonst hätte er seine spärliche Freizeit wohl kaum für zwei Stunden unterbrochen und anschließend auch noch zum Eishockey-Spiel geladen. Nach dem Lesen dieses Interviews war ich persönlich mild enttäuscht, denn es war im Grunde auch nur „Schuld sind sowieso die anderen“, und „Probleme?? Wir haben doch keine Probleme!“

Kampfsportler? Aha!

Liest man, am besten gleich in Serie, mehrere Interviews des russischen Staatschefs, so erfährt man, dass ihm der Kampfsport sehr wichtig ist. Er sei, so Putin, nicht nur eine Art der körperlichen Ertüchtigung, sondern eine Lebenshaltung. Okay, und dann tritt man, zu Propagandazwecken und um von den eigenen „Baustellen“ abzulenken, einen „Freund“ der bereits am Boden liegt?! Sehr interessant! Also in dem Bushido, welches ich gelesen habe, ist ein Angreifer immer der Verlierer und ein Kampf, der ehrenhaft ist vorbei, wenn einer am Boden ist. Möglicherweise hat der „Weg des Kriegers“ ja in der russischen Übersetzung etwas an Sinngehalt eingebüßt. Und jener Satz, wonach einer, der sich auf Kosten eines Schwächeren profiliert, ein „ehrloser Feigling“ ist, wurde wohl ganz vergessen. Also ehrlich, von den USA bin ich das ja gewohnt, was soll man von einer Medienblase auch anderes erwarten? Aber aus der „Ecke Russland“ ist das doch, nun nennen wir es, bemerkenswert.

Wer einen Gedanken aufgreift…

….und ihn weiter denkt, kommt zu folgendem Schluss: Russland hat ein neues „Propaganda-Pet“, Deutschland nämlich. Unsere Flüchtlingskrise, die Tatsache, dass unser Hilfsangebot von so manchem durchaus hemmungslos missbraucht wird, ebenso die Tatsache, dass alle ballern können ohne jedoch die Verantwortung zu übernehmen, wird also her genommen, um von den eigenen Rissen und Brüchen abzulenken. Keine Sorge, es geht noch einen Zahn schärfer denn: Die Flüchtlinge laufen nicht nur vor amerikanischen, sondern auch vor russischen Bomben davon. Indirekt, und jetzt halten Sie sich fest, liebe Leser, Sie gerne auch, Herr Präsident Putin, baden wir hier die Kriegsspielchen in Syrien aus! Und da wagen Sie es, verehrter Präsident, sich auf Kosten der Probleme, die Sie uns aktiv mit schaffen, groß zu tun!? Das erschreckt mich. Denn in der Vergangenheit gaben Sie durchaus Anlass zu der Annahme, dass Sie einer der letzten echten Politiker sind. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Sie als „Retter des Abendlandes“ aufs Äußerste bemüht sein werden, die Krise in Syrien baldigst mit beizulegen, nicht wahr? Denn dann hätten Sie vielleicht nicht ganz das Motto erfüllt, es ginge aber zumindest ein bisschen in die Richtung. Und, weiterer großer Vorteil, Sie müssten auch nicht zigtausende von jüdischen Migranten aufnehmen, die sich vermutlich den in Russland üblichen Antisemitismus sowieso nicht reinziehen werden.

Für wie dumm hält man uns eigentlich!?

Als bekennender Christ wird Präsident Putin auch zweifellos Tag und Nacht „wie ein Galeerensklave“ (eigenes Zitat Putins über seine Arbeit als Präsident) schuften, um die Rubelkrise zu lösen. Denn: „Was ihr meinen geringsten Brüdern tut, das tut ihr mir.“ Fraglos steht der Mann heftig unter Feuer. Vor allem in den internationalen Medien. Ebenso fraglos braucht es Gegenfeuer, denn dieser Medienkrieg droht zu Ungunsten Russlands zu kippen. Aber werfen wir doch einmal folgende Frage auf: Wenn es der internationalen Medienwelt so wichtig ist und die es so nötig haben, irgendwelche Gauzereien und persönliche Angriffe eines toten Agenten aufzubauschen, was haben die denn dann Handfestes zu bieten? Richtig! Rein gar nichts! Und als kritischer Leser und wache Beobachterin ist Ihnen sicher, ebenso wie mir aufgefallen, dass Litwinenko genau in der Zeit mit seinem Pädophilen-Vorwurf gegen Präsident Putin aufschlug, als der Pädophilenskandal der katholischen Kirche mit Macht durch Europa brauste. Ich halte das nicht für Zufall. Und….anhand des fragwürdigen Timings macht sich dieser Mensch in meinen Augen unglaubwürdig und ich frage mich, wie besessen man eigentlich von einer Idee sein muss, wie verzweifelt und völlig konzeptlos, um zu derartigen armseligen Mitteln greifen zu müssen.

Und die Medien? Fressen gierig den Dreck, den der Typ gestreut hat. Denn natürlich hat der böse Putin den Tod dieses Mannes befohlen, weil der ein bisschen dumm daher redet. Der Nebensatz seiner Witwe, dass der ehemalige FSB-Agent im englischen Exil „seinem neuen Land ein bisschen geholfen hat“, dass er für den MI 6 tätig und damit nicht mehr und nicht weniger als ein Verräter war, spielt überhaupt keine Rolle. Schon klar. Und selbstverständlich hätte man kein einziges Wort in den Medien gefunden, wenn ein MI 6 Agent nach Russland gegangen, dem neuen Land „ein bisschen geholfen“ hätte und dann, oh zauberhafter Umstand, irgendwie plötzlich tot gewesen wäre. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist vermutlich das „Gaspedal“ in der momentan tobenden Medienschlacht. Was immer die Russen machen, ist potentiell schlecht, zumindest zweifelhaft selbst dann, wenn alle anderen Regierungen derartiges auch tun. Was immer der Westen macht ist guuut, denn schließlich sind wir ja die Lieben, vor allem die USA, richtig? Und natürlich auch dann, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden, tausende von Menschen in die Flucht getrieben, ausgebombt und ihrer Heimat, ihrer Zukunft und ihres ganzen Lebens beraubt werden. Und Europa? Europa, vor allem Deutschland, wirds schon richten. Und wenn nicht: Auf sie mit Gebrüll, anderer Nationen Katastrophen sind der Trittstein für uns, damit wir ein bisschen größer wirken und schreien können: „Schaut nur! Wir haben solche Probleme nicht! Wir sind besser“!

Schade, und zweifellos unbedacht ist der Umstand, dass Präsident Putin mit seinem medialen „Retter-des-Abendlandes“-Trip dieses Klischee auch noch bedient. Ich wüsste schon gern, ob er das mit Absicht macht, oder ob er sich vielleicht gedacht hat: „US-Propagandaschlacht?! Kann ich auch! Wartet nur, wenn ich loslege! Von mir könnt ihr noch was lernen!“ Vorher war das auch durchaus richtig. Es galt: Was aus dem Kreml kam, war durchaus verlässlich, im Guten, wie im Bösen. Es galt auch, wer einen recht nüchternen Blick auf die Dinge wollte, hat sich einfach mal angehört, was Putin dazu sagt. Leider ist dem nicht mehr so. Sollte Russland nicht nur wirtschaftlich und politisch wackeln sondern auch imagemäßig verkommen? Sollte eine stolze Nation voller Kraft, Geschichte und Ausdauer tatsächlich solche medialen Niederträchtigkeiten nötig haben? Ich weiß, ich wiederhole mich: Ich bin grenzenlos enttäuscht. Wenn so der „Retter des Abendlandes“ aussieht, wenn es das ist, worauf ich hoffen soll, wenn die hier aufscheinenden „Werte“ das sind, was meine Zukunft bestimmt, möchte ich persönlich lieber in Würde untergehen.

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