Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Mitten ins Herz Europas

Nous sommes Europe! We are Europe! Wir sind Europa! und umfangen unsere belgischen Landsleute mit Trost und Hilfe Bild: Viktor MIldenberger /pixelio.de

Nous sommes Europe! We are Europe! Wir sind Europa! und umfangen unsere belgischen Landsleute mit Trost und Hilfe Bild: Viktor MIldenberger /pixelio.de

Es ist mal wieder einer dieser Tage. Es wird Frühling, Aris hat seinen ersten leibhaftigen Fasan gesehen (das Gesicht war filmreif) und der Tag begann ganz normal. Plötzlich blinkt mein Handy. Die News-App meldet Breaking News. Nun ja, dachte ich mir, Putins neueste Teufelei, noch mehr unqualifiziertes Gewäsch von Trump, der sich bemüßigt sieht einen Dritten Weltkrieg zu führen oder vielleicht ein neuer Fußball-Skandal? Nichts von alledem! Terror in Brüssel. Im Herzen Europas detonieren mehrere Sprengsätze. Menschen leiden und sterben. Obwohl man immer wieder hört, der Terror gehöre wohl zu unserem Alltag, kann ich mich einfach nicht daran gewöhnen.

Ich bin traurig. Sehr traurig sogar, denn ich frage mich, wie oft es uns eigentlich noch treffen muss, bis all die EU-Gegner, Hassardeure und Halbherzigen endlich kapieren, dass unsere einzige Chance ein starkes Europa ist. Ja, liebe Rechtspopulisten gerade weil wir so große Probleme haben, müssen wir zusammen halten. Vielleicht sogar nur, um diesen Irrsinn irgendwie gemeinsam ertragen zu können.

Der Feind ist mitten unter uns – sind deswegen alle potentielle Feinde?

Ich kann die wachsende Feindseligkeit gegen Menschen aus der Arabischen Welt nachvollziehen. Schließlich sind die Terroristen meist arabischer Herkunft und immer Islamisten. Hat jedoch schon einmal jemand an die zahlreichen Konvertiten gedacht? Der German Wings Pilot, der die Maschine an eine Felswand der französischen Alpen gesetzt hatte war Deutscher, depressiv…und ein Konvertit zum Islam! Sein Bekennervideo, in dem er Allah pries und verkündete, wenigstens einmal in seinem Leben etwas Bedeutsames zu tun, ging unter „ferner liefen“ unter.

Wenn wir also die Islamisten ausgrenzen wollen, müssen wir uns alle gegenseitig ausgrenzen, denn der nette Mann am Tisch gegenüber könnte ja nun auch so ein Konvertit sein. Und dann? Könnten die Terroristen sich zurück lehnen mit dem Gedanken „Mission accomplished“. Das ist doch das Ziel: alle gegen alle auf zu hetzen. Uns unsere Freiheit zu nehmen, unsere Art zu leben, all das, woran wir glauben und wofür unsere Vorfahren gekämpft haben. Ich denke, die Europäische Gemeinschaft für gescheitert zu erklären, sich einzuigeln und Angst zu haben, ist der falsche Weg. Wir würden damit sehr vielen Leuten einen Gefallen tun. Dem IS, der russischen Regierung, die bekanntlich sogar Rechts- und Linksradikale in Europa finanziert um genau das zu erreichen und auch den USA. Auch dort sieht man ein einiges und starkes Europa mit Sorge, denn der Weltherrschaftsanspruch unserer „amerikanischen Brüder“ könnte so heftig ins Wanken geraten.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich persönlich fühle mich keineswegs motiviert, irgendeinem der „Leichenflederer Europas“ gerne einen Gefallen tun zu wollen! Ich finde, wir müssen zusammenhalten. Wir müssen uns endlich überlegen, ob es denn wirklich so schlimm ist, zuerst Europäer und dann Deutsche, Italiener, Franzosen, Belgier usw. zu sein. Vielleicht sollte Europas Immunsystem einmal anspringen. Vielleicht sollten wir uns endlich einmal überlegen, ob wir nicht schon mehr Europäische Union sind, als uns bewusst ist. Die Probleme, die wir haben, können wir nur zusammen lösen. Man hat es gerade wieder gehört: Die Sicherheitskräfte in den europäischen Ländern sind überfordert. Ergo: Wir brauchen eine europäische Sicherheit.

Die Europahymne darf nicht leise werden!

Beethovens Musik und Schillers Worte bilden jenes Lied, das uns alle symbolisch eint. Es ist wohl mit Bedacht gewählt worden und ich denke, da Europa erneut angegriffen wird, sollten wir uns ruhig dieses Symbols erinnern. Mir gehen die Worte gerade nur schwer durch den Geist, doch es hilft wenn ich mich an die Lage in Europa erinnere zu der Zeit, als diese Gedicht entstand. Auch damals war es Ausdruck trotziger Hoffnung und unberechtigten Glaubens, dass es doch etwas Gutes gibt, dass es eines Tages wahr werden kann. Vielleicht sollte man gerade heute die „Ode an die Freude“ im Geiste und im zeitlichen Kontext Schillers sehen.

Wir können die Terroristen nicht bekämpfen. Und wir können auch jenen russischen Machthaber, der angeblich weit über 90 % Zustimmung im eigenen Land erfährt und uns immer wieder offen oder verdeckt mit Krieg bedroht nicht einfach weg beamen. Alles was wir können, ist wir selber sein. Es klingt sehr „Schillerisch“ wenn ich sage, unsere einzigen Waffen in diesen Tagen sind unser Geist und unser Herz. Allerdings denke ich, dass es in der Tat so ist. Man will uns einschüchtern, zerbrechen, in Angst und Schrecken fesseln. Nun, wir werden es nicht zulassen, nicht wahr, verehrte europäische Brüder, liebe europäische Schwestern? Wir „gürten unseren Geist mit Klarheit und wappnen die Seele mit Mut“. Im Gegensatz zu unseren Aggressoren haben wir etwas Ewiges, woran wir glauben.

Die Ode „an die Freude“ mag in diesen Stunden für so manchen wie Hohn klingen. Dennoch sollten wir die Europahymne, unser aller Hymne still rezitieren. Die Worte bringen Trost und Hoffnung, und sie zeigen den Weg heraus, wenn wir sie uns nur endlich zu Herzen nehmen könnten. Hier ist der Text, machen Sie sich die Freude, und lesen Sie ihn komplett. Und vielleicht können wir unseren Freunden und Landsleuten in Brüssel ein wenig Trost schicken, ein wenig „ihr seid nicht allein, denn ab heute sind wir alle nicht mehr allein.“

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