Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Es rauscht gewaltig im Blätterwald…

- August 1, 2016

 

Da echauffiert sich zum Beispiel Cicero-Online, es bilde sich „eine unheilige Allianz gegen Europa, gebildet aus drei (Un-)Geistesbrüdern.“ Nun ja. Wortgewaltig allemal, doch ob es wirklich von Klugheit und differenzierter Wahrnehmung spricht, diese drei Zeitgenossen in einen Topf zu werfen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

Auf den ersten Blick betrachtet, funktioniert dieser Ansatz durchaus: Allen dreien ist ein einiges Europa ein Dorn im Auge. Doch, tritt man einmal näher heran so findet man, dass alle drei dafür sehr unterschiedliche und nicht ohne weiteres zu vereinbarende Gründe haben dürften. Die größte Einigkeit dürften hier noch die Herren Trump und Putin erzielen, beide hätten im „Ernstfall“ ein ganz ähnlich gelagertes „Europa-Problem“: Eine Wirtschaftsmacht, gegen die sie nicht ohne Weiteres ankommen! Eine Wirtschaftsmacht, die ihnen auf dem Weltmarkt nicht nur ordentlich Konkurenz machen, sondern ihnen vor allem auf den Finanzmärkten durchaus das Wasser abgraben könnte. Und die Türkei? Sie würde ohne Europa, ohne NATO schlicht in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Sicher, Russland hat die Bodenschätze, allen voran Gas und Öl. Doch was, wenn Europas High-Tech-Industrie den lange erhofften Durchbruch bei den alternativen Energien erzielt? Dann kann Herr Putin seine, übrigens sowieso begrenzten Ressourcen an Öl und Gas zum Flohmarkt tragen oder gleich behalten.

Und die USA? Sie sind in Europa vor allem am Finanzmarkt aktiv. So weit so gut, doch seit der Lehman-Affäre hat hier das Vertrauen gewaltig gelitten. Und wer einmal analytisch, klar und ganz ohne „Siegermacht-Populismus“ die Frage aufwirft, was Amerika in der (westlichen) Welt überhaupt zur wirtschaftlichen Führungsspitze qualifiziert, wird eine ganze Weile nachdenken müssen. Eine gewisse „Währungsdiktatur“, okay. Aber sonst? Mir fällt gerade nicht viel dazu ein, Ihnen vielleicht?

Die Türkei ist NATO-Mitglied. Fraglos ein strategisch wichtiges. Macht sie das unersetzlich? Nein! Ich wette, Herr Erdogan würde gleich deutlich moderater aufschlagen, wenn etwa Incirlik als NATO-Stützpunkt geschlossen würde. Dumm nur, dass er im Moment scheinbar denkt, gerade deswegen darf er einfach alles. Interessant: Er schäkert schon wieder! Diesmal mit Russland. Man könnte auf die Idee kommen, dass die Türkei durchaus weiß, dass sie bei aller Wichtigtuerei ohne „großen Bruder“ nicht auf der Weltbühne bestehen wird, so sehr sie das auch möchte.

Noch eine Gemeinsamkeit: Nationalismus

Das muss man allen dreien unumwunden zugestehen: Würde man sie einen Wettkampf austragen lassen, wer der größere Nationalist ist, ginge das wohl unentschieden aus.

Trump will „Amerika wieder groß“ machen. Natürlich ganz ohne dem geneigten Beobachter zu sagen, wie genau das passieren soll und wo genau die USA eigentlich klein sind. Es gibt kaum ein anderes Land, das höher verschuldet wäre, mehr Rassenunruhen hätte oder in mehr Konflikte und Kriege involviert ist, als die USA. Wo wollen die Damen und Herren unter dem „Star-spankled Banner“ denn noch führend werden?! Nur China und der Iran haben mehr Hinrichtungen im Jahr zu bieten, als Amerika. Das könnte vielleicht noch etwas ein. Eine Führungsposition im positiven Sinne hat Amerika schon lange nicht mehr.

Erdogan…will aus der Türkei einen islamischen Staat nebst Todesstrafe machen. Erdogan denkt offenbar, überall wo Türken sind, IST Türkei, denn nur so ist sein lächerliches Getue rund um die Pro-Erdogan Demonstrationen in Köln zu erklären. Mir scheint, der Ärmste leidet unter dem Cäsarenwahn, den man Putin gerne unterstellt. Neuerdings droht die türkische Regierung damit, den Flüchtlingspakt platzen zu lassen, falls nicht SOFORT die Visafreiheit für türkische Reisende kommt. Okay, diese Drohung ist nicht nur dreist sondern auch extrem dumm. Denn: mit dem Flüchtlingspakt endet natürlich auch der Euro-Fluss in Milliardenhöhe in die Türkei, logisch, oder? Wie Erdogan und sein etwas über-ambitionierter Außenminister die bereits geflossenen Milliarden zurück geben wollen und vor allem, wie sie die wirtschaftlichen Folgen für die Türkei ausgleichen wollen, lassen sie im Dunkeln.

Und Putin? Er will Russland „von den Knien erheben“. Grundsätzlich eine gute Idee, sofern er sich ab und an die Mühe macht, mal auf den Kalender zu schauen! Wir leben im 21. Jahrhundert. Nicht mehr im 19. Schon lange nicht mehr. Und was Russland in die Knie gezwungen hat, ist keineswegs nur die Schuld der anderen. Vielmehr hat Russland, etwa mit dem Bolschewiken-Aufstand, der daraus resultierenden Sowjetunion und auch der geradezu an Renitenz erinnernden Verweigerung jeglicher soziologischer und wirtschaftlicher Differenzierung und Entwicklung in der Zeit danach selber sehr gut daran gearbeitet, in die Knie zu sinken. Man kann einen Fluss nicht schieben. Aber ebenso wenig kann man ihn aufhalten, zumindest nicht ohne Gefahr zu laufen, irgend wann im Dammbruch zu ertrinken.

Und noch eine Gemeinsamkeit

Alle drei nennen sich demokratisch. Schaut man sich die Taten der beiden bereits Herrschenden an und auch das Programm des „Möchtegern-Herrschenden“ so stellt man erstaunt fest: Entweder hat man den Begriff „Demokratie“ die ganze Zeit gründlich missverstanden oder aber, die Herren schmücken sich hier mit einem Attribut, das ihnen nicht so recht passt.

Hier ist Erdogan die absolute „Lichtgestalt“: Der Mann wurde in seinem Gehabe immer extremer. Erst hoffierte er heftig die NATO, die ihn aber nicht so richtig unterstützen wollte. Sein Werben und Flirten wurde von Europa auch nicht erhört, also flugs die Richtung geändert und sich Russland an den Hals geworfen. Und dann, oh Wunder, genau im passenden Moment ein Militärputsch gegen den Ärmsten, Schreck lass nach! Die Folgen dieses Putsches sind hinlänglich bekannt und werden wohl noch wesentlich umfassendere Ausmaße annehmen. Demokratisch ist diese Entwicklung nicht wirklich. Zumindest vorausgesetzt es ist richtig, was ich in den Fächern Sozialkunde und Geschichte über diesen Begriff gelernt habe.

Putin hat mal wieder seine Regierung umstrukturiert, vermutlich um „frisches Blut an wichtige Stellen zu bringen“ so wie immer halt. Dieser Ausführung könnte ich sogar gerade noch glauben, denn das „Putin’sche Ämterrotationssystem“ hat durchaus auch vieles für sich und funktioniert, zumindest von außen betrachtet, recht gut. In diesem Punkt bin ich ganz seiner Meinung: Niemand sollte so lange auf seinem Sessel sitzen, das er träge wird und daran fest wächst. Ob er damit seinen eigenen Einfluss stärkt? Natürlich tut er das! Und so lange dieser Einfluss gut ist, ist das sicher auch in Ordnung. Doch Demokratie stützt sich auf das Volk und nicht dessen Herrscher, richtig?

Was sich Trump so alles einfallen lässt, sollte er Präsident der Vereinigten Staaten werden, möchte ich eigentlich gar nicht so genau wissen. Der Mann mag ein guter Geschäftsmann sein, doch was die Führung eines Landes, vor allem die Repräsentation eines Landes in der Weltgemeinschaft angeht, so bezweifle ich seine Fähigkeiten aufs Heftigste. Warum? Lesen Sie ein bisschen und Sie werden feststellen: Der hat noch nicht einmal gute Manieren! Wäre ich Amerikanerin, ich würde mich in Grund und Boden schämen für das, was er jetzt schon teilweise raus haut. Von so einem Menschen würde ich nicht repräsentiert werden wollen, selbst wenn er mich dafür bezahlte!

Allianzen? Ich denke eher nicht

Sehr vorsichtig und voller Hoffnung möchte ich dem Cicero-Artikel widersprechen. Ich denke nicht, dass diese drei Politiker eine Allianz gründen werden. Sie sind viel zu selbstbezogen in ihren Absichten. Von allen Dreien nehme ich Putin noch am ehesten ab, dass er zumindest die Absicht hat, die Interessen seines Volkes zu vertreten. Von allen Dreien ist Putin noch der Cleverste und auch derjenige dem am ehesten bewusst ist, dass das was man heute macht, sich morgen auswirken wird.

Und was Europa angeht, so denke ich, dass wenn wir schon Partner brauchen wir den wählen sollten, mit dem uns am meisten verbindet. Europa ist nicht islamisch. Und ich fürchte, mit Trumps Amerika hat Europa rein gar nichts gemeinsam. Vielleicht sollten wir uns einfach mal überlegen, ob unser nächster Nachbar, mit dem wir auch die größten direkten Grenzen haben derjenige sein könnte, mit dem wir am ehesten zumindest auskommen sollten. Auch wäre es sicher hilfreich, wenn Europa endlich die russisch-europäische Beziehung selber mit gestalten würde, statt nur dem Willen einer trans-atlantischen Macht zu folgen, denn schließlich erleben wir, gemeinsam mit Russland, die Konsequenzen dieser Beziehung.

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