Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

„Wer den Wind sät…“

- September 1, 2016
Flagge zeigen? Ja bitte! Und die Richtige, wenn möglich! Bild: Lichtkunst73/pixelio.de

Flagge zeigen? Ja bitte! Und die Richtige, wenn möglich! Bild: Lichtkunst73/pixelio.de

Wir alle wissen, wie dieses Zitat weiter geht, nicht wahr? Dennoch wird offensichtlich gerade in Deutschland mit großer Leidenschaft Wind gesät. Und dieser Wind bläht die Segel extremer Parteien. Der europäische Rechtsruck macht auch vor dem Land der Dichter und Denker nicht Halt. Ich persönlich finde das erschreckend und beschämend. Betrachtet man unsere Geschichte, könnte man sehr genau wissen, wo so etwas endet. Betrachtet man die Geopolitik, könnte man ebenfalls wissen, dass man Extremismus wohl kaum mit Extremismus bekämpfen kann.

Leider ist im Lande der großen Philosophen eigenständiges Denken derart „Old School“, dass es viel schicker ist, irgendwelche halbgaren und Besserung versprechenden Parolen mit zu plärren, als sich mal einen Augenblick zu überlegen, was hier tatsächlich postuliert wird und wohin so etwas führt. Ja, wir haben Probleme. Große sogar. Und ja, es muss etwas passieren. Doch ist es vor diesem Hintergrund sinnvoll, historischen Irrsinn um zu lackieren, ins Feld zu führen und zu hoffen, dass es dieses Mal anders ausgeht?

Personalien versus Grundgedanken

Die gegenwärtig Regierenden sind VERTRETER ihrer Parteien. Die gegenwärtig Regierenden bekleckern sich nicht wirklich mit Ruhm. Daraus aber zu schließen, dass das Gedankengut der Parteien der Mitte, aus denen diese Herrschaften kommen automatisch schlecht ist, ist geradezu himmelschreiend dumm.

Gerade die Extremen, die so gerne die deutsche Geschichte und Tradition bemühen, müssten doch eigentlich wissen mit wie vielen Kämpfen, mit wie viel Blut die bürgerlichen Freiheiten bezahlt wurden. Warum, so wüsste ich gerne, geben Sie diese Werte gröhlend und pöblend lustvoll auf!? Ist es Ihnen zu anstrengend, ein mündiger Bürger zu sein? Lassen Sie sich lieber vorschreiben, wenn Sie zu mögen haben und wen nicht, oder was Sie zu denken haben und was nicht? Der Eindruck drängt sich auf, finden Sie nicht?

Die Ahnen rotieren im Grabe

Ein weiterer Trend ist alarmierend. Immer mehr Rechtsextreme geben vollmundig Bekenntnis zum Glauben der alten Germanen ab. Selbstverständlich ohne Tacitus gelesen zu haben, eigene Traditionen zu pflegen oder sich zumindest über Kulturhistorie informiert zu haben, denn sonst wüssten sie, dass diese Weltsicht ungefähr genauso geeignet ist, Radikalismus, Fremdenhass und Verfolgung von Minderheiten zu rechtfertigen wie etwa der Buddhismus. Beruhigend ist, dass immer mehr neo-pagane (neu-heidnische) Gruppen gegen diesen Trend mobil machen und sich aufs Schärfste von dieser Entwicklung distanzieren.

Diesen Trend gab es schon einmal. Bereits die NSDAP fand es passend, das Erbe unserer Vorfahren her zu nehmen, zu pervertieren und damit Unsägliches zu rechtfertigen. Bis heute leiden die Neu-Heiden, die echten, wohl bemerkt, unter dieser Schandtat.

Bei Tacitus lesen wir, dass der Gast den Germanen heilig war. Er galt als Gesandter der Götter. Er kam, um die Gesellschaft auf die Probe zu stellen. Auch, um selbst geprüft zu werden. Nun, ich denke man kann mit Fug und Recht sagen, dass der Flüchtlingsstrom unsere Gesellschaft auf die Probe stellt.

Und wissen Sie was? Ich finde, wir machen uns richtig schlecht. Eine Gesellschaft, die offenbar über so wenig Selbstbewusstsein verfügt, dass sie die eigene Identität nicht einfach leben kann, sondern mit Gewalt durchsetzen muss, ist kaum eine Gute. Warum zweifeln Sie so sehr an dem, was uns ausmacht? Gewalt und Extremismus sind ein Zeichen von Schwäche. Wer schreit, hat mitnichten Recht, sondern vielmehr einfach keine vernünftigen Argumente.

Der Mensch im Mittelpunkt

Schöner Slogan, nicht wahr? Wissen Sie, was evolutionär gesehen, den Menschen ausmacht? Es sind im Groben zwei Dinge: Ein in alle Richtungen beweglicher Daumen und der Neocortex. Dieser jüngste Teil unseres Gehirns gibt uns die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und -differenzierung. Zum Ziehen von Schlüssen und, Achtung jetzt kommts, zur BILDUNG EINER EIGENEN MEINUNG!! Viele Biologen sind der Ansicht, dass der Neocortex zwingen nötig ist zum Ausbilden der Individualität, wie sie uns Menschen zu Eigen ist.

So neu er auch ist, unser Neocortex, er ist offenbar richtig „old fashionned“. Zumindest scheint das auf die Benutzung desselben zuzutreffen, denn nur so ist der ganze Populismus, auf allen Seiten übrigens, erklärbar. Lautstark und in Horden „Lügenpresse“ zu plärren ist übrigens kein Zeichen von individuellem Denken! Ein Gefühl für Trends mag sich hier spiegeln. Ein blindwütiges Nachgeben an niedere Affekte über die wir im Hightech-Zeitalter doch wohl hinaus gewachsen sein sollten.

Unter welcher Flagge die Demonstranten auch laufen, sie alle zeigen deutlich: „Wir lassen denken!“ Was die extremen Parteien beider Seiten nämlich nicht hören wollen ist mit Sicherheit, dass deren Werte ins Bodenlose stürzen würden, wenn alle, die gegen die gegenwärtigen Entwicklungen protestieren, oder sich hilflos fühlen, wegfallen würden! Die allermeisten Menschen, die besagten Neocortex mal ordentlich unter Strom nehmen und rational über die Situation nachdenken, dabei die globale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts in die Betrachtung mit einbeziehen und geschichtliche Tendenzen berücksichtigen, können gar nicht radikal werden. Radikalismus ist so was von „out“!

Eindeutige Identität, klare Struktur

Nur wenn ich weiß, wer ich wirklich bin, kann ich mit anderen Menschen umgehen. Es zeugt von Selbstvertrauen, Reife und Integrität, andere Ansichten und Lebensweisen, die von der meinen verschieden sind, akzeptieren zu können. Sollte Deutschland, als Person betrachtet, tatsächlich vom Dichter und Denker zum aufsässigen, pubertierenden Teenie mutiert sein? Ich weigere mich, das zu glauben.

Fakt ist, dass etwas passieren muss, und zwar schnell. Fakt ist auch, dass Deutschland seine Identität nicht verlieren darf. Fakt ist weiterhin, dass solche, die hier zu Gast sind, sich gefälligst zu benehmen haben, denn nicht nur der Gast, auch der Gastgeber ist heilig. Wie wäre es also mit staatsbürgerlichem Unterricht? Und zwar zuerst für die Deutschen. Damit endlich mal wieder klar wird, was unser Land eigentlich ist. Was es bedeutet, Deutscher zu sein. Dann wird gesunder Patriotismus möglich. Einer, der weder pöbelt, noch zündelt, noch andere Leute, deren Ansicht nicht passt, bedroht.

Was es braucht, ist Klarheit. In der Politik, in der Gesetzgebung und in der Bildung. Ich meine echte Klarheit. Nicht eine solche, die ideologiekonform zu wem auch immer ist. Dann könnte Deutschland vielleicht auch wieder vom pöbelnden Teenie zum mündigen Erwachsenen werden.

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