Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Von Seifenopern und Klageweibern

- November 21, 2017

So fängt es immer an. Bild: Christine Lietz/pixelio.de

Es mag kurios erscheinen, dass eine Bloggerin sich berufen sieht, einmal deutliche Kritik an den Internetgewohnheiten mancher Mitmenschen zu üben. Wenn Sie zartbesaitet sind, sollten Sie diesen Eintrag vielleicht lieber nicht lesen, denn ich beabsichtige, absolut kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Wer sich auf Facebook und Co. umschaut, wird immer wieder, meist ungewollt, Zeuge von Beziehungstragikomödien. Nun, wie das Leben so spielt, nicht wahr? Gut und recht. Doch muss man das unter den Augen der ganzen Welt, und nicht weniger als die ganze Welt kann mitlesen, breit treten? Ebenso, Verzeihung, zum Kotzen, finde ich die zur Schau getragene, tragische und schwer dramatische Trauer, die man auf Gedenkseiten, vor allem für verstorbene Prominente findet. Wer sich dort umsieht, und zufällig ägyptisches Klageweib im Nebengewerbe ist, wird bei so manchem Post anerkennenden Beifall zollen.

Verstehen Sie mich bitte nicht miss. Ich ehre die Gefühle eines anderen Menschen. Und ich respektiere den Wunsch, diesen vielleicht auch Ausdruck zu verleihen, sofern sie denn echt sind. Sogar auf entsprechenden Plattformen, wenn es denn gar nicht anders geht. Aber so? Was ist der Zweck dahinter? Läuft da ein Wettkampf: „Wer trauert am dramatischsten“? Schlimm finde ich ganz persönlich, dass so was sich rund um Geburts- und Todestage häuft. Was ist denn an den anderen Tagen des Jahres? Was, wenn der oder die „gramgebeugte“ Postende die Seite wieder zu macht? Back to business, genau! So fühlt es sich zumindest an. Eine merkwürdige Methode Verstorbenen Respekt zu zollen, indem man sich selbst in rechte Licht stellt, damit der schwarze Schleier auf der eigenen Seele auch wirklich von jedem gesehen wird, oder?

Love Story als download? Sie brauchen nur ein Facebook-Konto!

Ebenso unfassbar daneben finde ich, was man auf Facebook so findet. Dass es bei manchen keinen Live-Stream aus dem Schlafzimmer gibt, ist beim Sichten der fraglichen Chroniken fast schon irritierend. Warum, bitte schön, muss man etwas derart Intimes und privates wie eine Partnerbeziehung der ganzen Welt zugänglich machen?! Ist er oder sie eine Trophäe? Muss man rum posaunen: „Seht her! ICH habe ihn/sie!“ Oder, auch immer wieder herzerfrischend, wenn die Damen im Alter 35+ lautstark und am besten noch farbig hinterlegt verkünden müssen, dass sie in einer Beziehung sind. Hallo?! Was geht denn mit Euch ab, Mädels? Wo habt Ihr Eure Selbstachtung gelassen? Ist das echt so ein Event, so ganz und gar erstaunlich, dass Ihr der ganzen Welt mitteilen müsst: Jemand hat sich doch tatsächlich für EUCH entschieden?

Natürlich werden Streitereien und Trennungen ebenso exzessiv und detailverliebt mitgeteilt. Nur mal unter uns: Habt Ihr den Partner/die Partnerin gefragt, ob er oder sie das überhaupt will?! Meine besonderen „Lieblinge“ sind auf Facebook ausgetragene Streitigkeiten. WARUM MACHT IHR DAS? Werdet Ihr dafür bezahlt? Braucht Ihr Publikum? Soll man vielleicht auf Euch wetten oder seid Ihr Euch Eurer Sache nicht sicher genug, so dass Ihr von der Weltöffentlichkeit Anfeuerung braucht!?Richtig spannend wird es, wenn es exakt diese Leute sind, die früher oder später in ihrer Chronik den Verlust der Privatsphäre beklagen. Warnen, dass BND und Co. ja überall mitlesen. Ja natürlich tun sie das! Und soll ich Euch mal ein Geheimnis verraten? Die böse Staatsmacht, grausige Hacker, Werbetreibende des Schreckens und was sonst noch….können nur das lesen, was Ihr schreibt. Ist ein bisschen komisch sich zu beklagen, dass Hinz und Kunz alles weiß, wenn man doch selber absolut alles online stellt, oder?

Gewollt oder nicht: die Selbstauskunft ist immer dabei

Wissen Sie, die meisten Facebook- und Kondolenzseiten-Poster ahnen ja nicht, was sie eigentlich über sich selbst aussagen. Wie sie sich darstellen. Und wann immer wir etwas ins Web schreiben, stellen wir uns dar. Logisch, oder? Es wird ja gesehen, und sei es nur von der Bloggerin, die gerade heute fand, es gehört darüber mal gründlich herum gegiftet. ;). Das Internet ist inzwischen wirklich keine neue Erscheinung mehr. Und auch der Letzte dürfte begriffen haben, dass man mit Google und Co. einfach alles findet, sofern man nur geduldig genug sucht….Ja, auch Ihr Chef, Ihr/-e Ex oder….Ihr/-e gegenwärtiger Lebenspartner/-in! Ihre Kinder, deren Freunde (und Feinde) und auch die völlig bescheuerte Nachbarin, die sowieso nur nach der nächsten Möglichkeit sucht, über sie zu tratschen!

Daran schon einmal gedacht? Nein? Dachte ich mir! Die meisten dieser Einträge hoch emotionaler Art egal welcher Couleur erscheinen mir hie und da durchaus kalkuliert aber nicht wirklich überdacht. Ich schrieb andernorts schon zum Thema, dass man mit der Preisgabe von Informationen sehr bewusst umgehen sollte. Damals ging es um Teenager im Internet, Sie erinnern sich? Nun, das Gleiche gilt für jeden anderen auch. Es gibt Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Doch muss man es darum in geradezu schmieriger Weise ins Web bringen? Wozu? Ich denke bei solchen Einträgen und Liebesgeschichten im Auge der Welt immer an die Worte meiner Oma: „Je lauter etwas schreit: ‚Glaub mir doch! Ich bin die Wahrheit!‘ umso wahrscheinlicher ist es eine Lüge.“

Unser Innerstes ist das Einzige, was tatsächlich immer noch uns gehört. Vielleicht ist das ganz gut so. Und vielleicht sollte es auch so bleiben. Denn: Nichts schützt sicherer, als Schweigen. Oder finden Sie die Idee etwa prickelnd, wenn Ihre von der Liebe nicht gerade geküsste und schwer eifersüchtige Bekannte Ihnen den Typen ausspannt, dessen Sie sich auf Facebook so sehr rühmen? Gefällt Ihnen die Idee, dass Ihnen eines Tages ein Bär von einem Mann mit einem rechten Haken mitteilt, dass die, die sie auf Facebook Ihre „Zaubermaus“ oder wie auch immer nennen, seine Frau Gattin ist!? Das, liebe Liebende, kann nämlich auch passieren.

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One response to “Von Seifenopern und Klageweibern

  1. Monika-Maria Ehliah sagt:

    …. man muss diese Einträge ect. nicht lesen ….

    Liebe Grüße
    M.M.

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