Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Size doesn`t matter – ein Winzling verändert die Welt

- März 19, 2020

Die Sonnencorona. Ausnahmsweise mal was Schönes mit diesem Namen (eigenes BIld)

 

Was war es nicht schön, unser Leben bestehend aus Arbeit, Geld und Spaß. Höher, schneller, weiter, Selbstoptimierung und die Influenzer, die uns das neueste „must-have“ antrugen. Unser größtes Problem waren sich öffentlich streitende Promis oder die Frage, ob Greta Thunberg der neue Messias oder einfach nur nervtötend ist. Und dann….kam Corona. Ein Winzling, kronenförmig, wie der Name schon sagt, stößt den Menschen, die „Krone der Schöpfung“, vom Sockel. Und plötzlich ist alles anders. Massenhafte Erkrankungen, Tote, Ausgangssperren. Die Angst geht um und wir Menschen begreifen, dass wir eben nicht allmächtig, eben nicht das Maß aller Dinge sind. Wir werden auf uns selbst zurück geworfen. Ein Winzling, für das bloße Auge nicht zu sehen zeigt uns, wie klein und unbedeutend wir eigentlich sind. Dass wir ihm außer Angst und Schrecken nichts entgegenzusetzen haben. Macht das nicht nachdenklich? Sorgt das nicht dafür, dass wir uns selbst, unser Image, unsere Prioritäten hinterfragen? Oh keine Sorge, diese Fragen werden noch bohrender und unangenehmer!

Für Viele ist es offenbar normal, sich keine Gedanken um andere zu machen. Warum sonst werden Kinder im erkälteten Zustand in die Schule geschickt? Dass andere sich anstecken, egal! Warum geht man zu Großveranstaltungen oder fliegt in den Urlaub, obwohl man eine ansteckende Krankheit hat? „Ich hab bezahlt, ich will meinen Spaß!“ Dass andere sich anstecken könnten….“was gehen mich denn die anderen an!?“ Nun, Corona scheint ein mächtiger Lehrer zu sein denn es zeigt, dass uns die anderen sehr wohl etwas angehen. Dass sie ein ignorierter aber wichtiger Baustein des eigenen Wohlbefindens, der eigenen Versorgung, des eigenen Spaßes sind. Es sind nicht irgendwelche gesichtslose Dienstboten, die in den Firmen und Unternehmen arbeiten oder das Spaßbad betreiben. Es sind unsere Mitmenschen.

Wir behaupten, im christlichen Abendland zu leben. Doch selbst jetzt, angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen, finden immer noch Parties statt, versammelt man sich, um die Sonne zu genießen, denn was kümmern mich die anderen!? Was kümmert mich der alte Mensch, oder der Vorerkrankte, dem ich das für ihn tödliche Virus bringe!? Ich bin jung und gesund. Ich werde vermutlich nicht daran sterben! Und wenn dann die Ausgangssperre kommt, haben wir wenigstens was zu jammern. Das ist der zweite fragwürdige Trend der Menschen: Sie sehen sich gern als Opfer. Weil es einfacher ist, als Verantwortung zu übernehmen. Und bequemer, als sich und sein Verhalten zu hinterfragen, Viele baden offenbar geradezu in Desinfektionsmitteln, um sich vor dem Virus zu schützen. Gleichzeitig pflegen dieselben Leute ihr Bedürfnis nach Geselligkeit und werden so zu Virusträgern. Wie war das noch mit „liebe Deinen Nächsten, wie Du Dich selbst liebst“?

Information und „Information“

Die ganzen „Aufklärer“, „alternativen Medien“ und „Erwachten“, erleben jetzt gerade ihre Sternstunde. Der lange herauf beschworene Weltuntergang steht vor der Tür. Da werden hahnebüchene Geschichten verbreitet von geheimen Invasionen, oder es wird behauptet, die Pandemie gäbe es gar nicht. Ja, liebe Aufklärer, vielleicht werden wir weltweit bürgerkriegsartige Zustande erleben. Vielleicht aber auch nicht. Sicher ist, dass sich die Welt und die menschliche Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Aber, mal ganz unter uns, findet Ihr es hilfreich, aus Angst, Unsicherheit und Sorgen die nackte Panik zu machen? WOLLT Ihr gar, dass die Welt komplett im Chaos versinkt? Man könnte es fast meinen, denn warum sonst werden im Akkord Schreckensszenarien produziert und dem geneigten Leser vorgelegt? Es reicht Euch offenbar noch nicht, dass viele Menschen um ihre Existenz kämpfen. Dass sie ihre Lebenswerke verlieren. Dass sie um ihr nacktes Leben fürchten. Auch hier sieht man übrigens dieses „höher, schneller weiter“, das dringend mal zurecht gestutzt werden muss. Zigtausende Kranke und tausende Tote, Tendenz steigend, reicht offenbar noch nicht. Die totale Agonie muss her, und wenn man sie nur in den Köpfen der ohnehin schon gebeutelten Menschen erzeugt,

Ich habe mir angewöhnt, das Leben mit einer Frage im Hinterkopf zu betrachten. Sie lautet: Qui bono? (Wem nutzt es?) Im Internetzeitalter bedeuten Klicks und Reichweite bare Münze. Ah! Es dämmert, warum die Szenarien der Zukunft, und „alles das, was uns verheimlicht wird“ immer spektakulärer werden muss, nicht wahr? Und wenn die fraglichen „Informierten“ dann auch noch auf Buchtitel oder Geheimmittelchen, die uns retten werden hinweisen müssen, habe ich keine Fragen mehr. Natürlich sollte man auch die, die Ruhm und Anhänger suchen, bei der Aktion nicht vergessen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wenn er eine Situation physisch, emotional oder auch mental nicht meistern kann, sucht er Hilfe. Nach diesem soziologischen Prinzip funktionieren unter anderem Sekten…. Oder der Verkauf von Workshops.

Die Krise als Chance

Es ist sicher fast schon ironisch in diesen Zeiten zu einem kühlen Kopf zu raten. Ich tue es dennoch. Denn….Fakt ist wir alle haben keine Ahnung, was noch auf uns zu kommen wird. So bitter das ist, so wahr ist es. Das ist verunsichernd, beängstigend. Aber….es ist auch eine Chance. Jetzt haben wir es in der Hand, wie wir uns verhalten, was wir machen, wie wir leben und planen. Das ist uns sehr neu und ungewohnt, denn bisher war doch immer alles wie immer. Stimmt. Aber jetzt können wir begreifen, dass Normalität eben nicht normal ist. Wir können begreifen, wie fragil das scheinbar Triviale ist, dem wir keinen zweiten Gedanken gewidmet haben bisher. Es braucht nur einen Winzling, dem der Mensch nichts entgegenzusetzen hat, um alles auf den Kopf zu stellen. Wie wäre es also, mit ein bisschen mehr Dankbarkeit? Ein bisschen mehr Würdigung? Wie wäre es, wenn wir gerade jetzt damit anfingen?

Jetzt bin ich gesund. Meine Familie auch. Wir haben zu essen, ich darf jeden Tag zweimal mit meinem Hund spazieren gehen. Die Natur beim Erwachen erleben. Den Duft von Jasmin und den ersten Apfelblüten riechen. Auf dem Weg durchs Dorf sehe ich Nachbarn. Die sehe ich jeden Tag. Aber mittlerweile ist es anders. Es ist schön, denn auch der Nachbar oder die Nachbarin ist gesund. Wir lächeln uns an von der Ferne. Wir freuen uns. Weil wir nicht einsam und ausgeliefert sind. Da war dieser Mensch, der gelächelt hat. Er oder sie ist da. Hier. Mit mir. Und ich werde auf ihn oder sie aufpassen, indem ich nur von Ferne lächle. So wie er oder sie das mit mir tut. Wir könnten in dieser Krise die Menschlichkeit neu entdecken. Dass wir zusammen gehören, auch wenn wir uns doch so gern als besonders, überlegen, besser, klüger oder sonst was als die anderen gesehen haben.

Ja, Corona wird die Welt für immer verändern. Die Frage ist nur, in welcher Weise. Und das, meine Lieben, das entscheiden wir. Sie, ich, wir alle. Jeden Tag. Wie oft hört man: „Lasst uns die Welt zu einem besseren Ort machen!“. Jetzt können wir das tun.


One response to “Size doesn`t matter – ein Winzling verändert die Welt

  1. Norbert Stephan sagt:

    Das ist das Beste, was ich seit langem gelesen habe!

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