Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Der Tag danach – Amoklauf in Würzburg

 

Nüchtern betrachtet ist meiner Familie und mir gar nichts passiert. Und dennoch ist etwas passiert. Innen drin. Doch der Reihe nach. Gestern Abend gegen 21:30 h gingen mein großer Sohn und ich mit unserem Hund am Main spazieren. Wie immer. Wir plauderten, scherzten, wetteten sogar, ob Aris bei seinem Hobby, der Froschjagd, wohl wieder in den Bach fallen würde. Wir hörten sehr viele Martinshörner, dachten uns aber nichts dabei. Wird wohl auf der A3 einen Unfall gegeben haben. Der Weg macht eine leichte Biegung. Als wir um die Kurve herum waren….standen uns zwei schwer bewaffnete Polizisten gegenüber! Wir sollten am besten zügig nach Hause gehen, sagten sie. Was passiert war? Keine Ahnung.

Mein Sohn war sehr still. Er sagte kein Wort mehr. Wer ihn kennt weiß, dass ist kein gutes Zeichen. Äußerlich ruhig gingen wir also zurück und sagten noch allen ungläubigen Radfahrer und Passanten, dass es nicht weiterging da vorne, dass wir hier weg sollten. Zu Hause angekommen, immer noch keine Info. Also ging ich auch mit der „Hunde-Oma“ raus, halt eben nicht zum Mainufer. Als ich wieder zu Hause ankam, lief das Radio. Sehr ungewöhnlich. Mein Großer war blass. „Im Zug nach Heidingsfeld hat jemand die Fahrgäste mit einer Axt angegriffen. 25 sollen verletzt sein. Ob man den Täter hat, ist noch unbekannt.“ sagte er fast wie eine Maschine. Ich hörte das, doch mein Kopf weigerte sich einfach, das zu glauben. Ein Amoklauf? Ein Anschlag gar? Hier?! In der Provinz?? Niemals!

Verzweifelter Kampf um Normalität

Wir begannen also, uns gegenseitig zu versichern, dass es bestimmt nicht so schlimm sei, es seien ja keine Hubschrauber in der Luft und auf Radio Gong hieß es ja auch „Nach bisher unbestätigten Berichten…“. 10 Minuten später kamen direkt zwei davon. Sehr langsam und akribisch suchten sie das Mainufer und auch die Weinberge ab. Inzwischen war die ganze Familie im Wohnzimmer versammelt. Als wir schließlich sahen, dass selbst große Nachrichtenmagazine berichteten war klar: Es war doch genauso schlimm, wie es sich angehört hatte. Gott sei Dank konnte die Zahl der Verletzten und Schwerverletzten nach unten korrigiert werden. Gegen 23:30 schließlich Entwarnung, der Täter war erschossen worden. Ich fühlte mich mies auf dem Weg ins Bett. Wie kann man erleichtert sein zu hören, dass ein Mensch getötet wurde?!

Heute Morgen dann weitere Nachrichten. Bei dem Täter handelte es sich um einen 17jährigen Jungen aus Afghanistan. Er war seit zwei Wochen in einer Würzburger Pflegefamilie untergebracht. Und jetzt gerade? Rasen Fragen durch meinen Kopf: Warum hier? Hier ist doch nichts! Und was macht ein Kind derart aggressiv, dass es mit einer Axt wahllos Menschen angreift?! Die einzige Antwort die ich habe ist, die Welt wird wahnsinnig! Mein Jüngster ist gerade auf dem Weg zu den Bundesjugendspielen. Er wollte eigentlich nicht. Mein cooler Teenie-Boy hat nämlich Angst. Was, wenn wieder einer ausflippt? Da sind viele Kinder aus dem ganzen Landkreis! Ein tolles Ziel. Ich konnte ihn nicht beruhigen. Also habe ich ihm gesagt, alles was wir tun können, ist dem Irrsinn zu trotzen. Wie? Indem wir ihm nicht erlauben, unser Leben zu bestimmen. Er ist gegangen. Und ich warte jetzt schon ungeduldig, dass er wieder kommt.

Der persönliche Anti-Terror-Kampf

Seit einigen Monaten wohnen im Nachbarhaus einige junge Männer aus einem arabischen Land. Syrer, wie man hört. Flüchtlinge. Wir sehen uns jeden morgen. Ich gehe zum Bäcker, sie zur Arbeit. Wir sagen uns jeden Morgen „Guten Morgen“, lächeln uns an, winken uns zu. Heute früh auch. Und ich? Ertappte mich dabei, wie mein Blick an ihnen entlang huschte. Nein, sie tragen Shorts und T-Shirt. Darunter kann man nichts verstecken. Ich habe mich so geschämt! Man darf nicht alle über einen Kamm scheren, man tut damit Unrecht. Ich senkte den Blick. Und dann? Sagte einer der Männer zu mir: „Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Sie darf nur nicht mächtig werden.“

Ich habe ihm die Hand gegeben und ihm gedankt. Er hat eine meiner wichtigsten Fragen beantwortet. Jetzt, so begriff ich, muss ich kämpfen. Meinen persönlichen Anti-Terror-Kampf. Gegen die Angst und dagegen, dass ich aus Angst ungerecht werde oder gar abzulehnen und zu hassen anfange. Ich werde diesen Kampf kämpfen. Und ich werde auch auf meine Kinder einwirken. Nein, die Annahme, dass wir hier, weit weg von Großstädten oder anderen lohnenden Zielen recht sicher sind, war ein Irrtum. Gewalt und Terror folgen keiner Logik sondern nur der puren Lust an der Zerstörung. Dabei ist die Zerstörung von Leben nur ein Mittel zum Zweck. Was zerstört werden soll, ist das Vertrauen. Das Gefühl von Sicherheit. Und die Menschlichkeit untereinander. Ich werde das nicht zulassen. Nicht in mir. Ich werde das, woran ich glaube, nicht von der Angst fressen lassen. Niemals. Ich kämpfe. Meinen persönlichen Anti-Terror-Kampf. Meine Waffen? Mein Verstand. Und meine sture Weigerung, den Glauben an das Gute im Menschen aufzugeben.

Advertisements
2 Kommentare »

Wenn das Hobby so langsam zum Beruf wird

"Das Zauberwort" hat heut Geburtstag. Bild: Claus Landes/pixelio.de

„Das Zauberwort“ hat heut Geburtstag. Bild: Claus Landes/pixelio.de

Heute ist ein besonderer Tag für mich. Nach einigen Jahren des Zögerns und Planens geht mein eigenes Textbüro heute online. Dass Schreiben meine Leidenschaft ist, dürften einige von Ihnen bereits bemerkt haben. Seit einigen Jahren schon arbeite ich als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Textagenturen, um Erfahrung zu sammeln und, nun ja, um zu arbeiten. Wissen Sie? Ich gehöre zu jenen Menschen, die gerne arbeiten. Die es lieben, die eigenen Fähigkeiten anderen anzubieten und so an deren Erfolg mitzuwirken.

Informationen, Ideen und Botschaften so zu verweben und zu verknüpfen, das daraus ein ansprechender Text wird, ist ein sehr kreativer Akt. Das mag auf den ersten Blick nicht so klingen, doch kommt es immer darauf an, was man erreichen will. Ein Beispiel: Man erhält eine Textaufgabe, sagen wir um eine Waschmaschine zu bewerben. Sie soll in einem Blog, in einem Shop und in einem Artikelverzeichnis erscheinen. Okay, soweit so gut. Technische Daten liegen vor, Keywords (die Begriffe, unter denen Suchmaschinen die Texte finden sollen), Textlänge und Zielverzeichnisse.

Jetzt hat man direkt zwei Möglichkeiten: Man kann schauen, was gemeinhin so geschrieben wird, und sich an diese Vorgabe halten. Oder man kann sich überlegen, was man selbst gerne lesen würde. Was würde ich wissen wollen? Wie würde ich angesprochen werden wollen? Soweit die Vorgaben das zulassen, wähle ich immer letzteren Weg.

Unique Content in jeder Hinsicht

Der Begriff „Unique Content“ also einzigartiger Inhalt ist selbsterklärend: Als Texter darf man nicht einfach losgehen und „Copy & Paste“ betreiben. Weder ganze Texte noch Textbausteine dürfen kopiert werden. Wir sitzen immer noch an unseren Waschmaschinentexten, Sie und ich. Und es scheint, wir müssen uns selbst was ausdenken. Okay, wie wäre es, wenn wir das konsequent machen würden? Zeichnen wir uns aus, liebe Leserin, lieber Leser. Zum Beispiel, durch fehlerfreie Sprache. Durch Höflichkeit oder auch jenen Hauch Freundlichkeit jenes gefühlte „Hey Besucher! Schön dass Sie da sind!“ welches man als Feeling, als Meta-Botschaft mit schwingen lassen kann.

Und im Blogtext? Information, klar. Warum gerade diese Waschmaschine geeignet ist, auch klar. Und weil wir ja schreiben und nicht irgendwer…bieten wir unserem Leser noch einen kleinen Schmunzler an, wie wäre das? Oder den brandheißen Geheimtipp, wie die Wäsche noch toller wird. Genau das ist mit „Mehrwert“ gemeint. Der Leser soll das Gefühl haben, dass die paar Minuten die er oder sie braucht, um unseren Text zu lesen nicht vergeudet waren. Nicht weniger ist mein Anspruch an mich selbst. Und der greift. Immer.

Den Alltag verzaubern

Inzwischen ist es normal, dass wir alle uns sehr viel im Internet aufhalten. Wir suchen Informationen, lesen, vertreiben uns die Zeit oder sind selbst aktiv. Ich persönlich finde, dass genau daraus ein Anspruch entsteht. Und eine Chance. Die nämlich für alle Gestalter und Macher im Web, auch hier den einen oder anderen schönen Moment, oder auch Effektivität, das Erfüllen von Bedürfnissen und Ansprüchen von Nutzern umzusetzen.

Man kann mit nur einem Wort, einem Satz einem sprachlichen Bild dem Leser ein gutes Gefühl geben. Ein Lächeln ins Gesicht zaubern. In für einen Moment durchatmen lassen und ihm helfen, seine knappe Zeit perfekt zu nutzen. Klingt fast schon nach Magie, oder? Finde ich auch. Darum habe ich meine Präsenz auch „Das Zauberwort“ genannt. Ich freue mich auf das, was jetzt kommt. Und ich wünsche mir, Ansprüche an mich zu erfüllen oder zu übertreffen. Wie gesagt: Heute ist ein besonderer Tag für mich. 🙂

Hinterlasse einen Kommentar »

Weihnachtszeit und Rauhnächte – „wie uns die Alten sungen..“

Rauhnacht-Zauber. Bild: Bernd Kasper/pixelio.de

Rauhnacht-Zauber. Bild: Bernd Kasper/pixelio.de

Vermutlich wissen die meisten von Ihnen nicht, dass nun die Zeit beginnt, da unser heidnisches Erbe am unverfälschtesten zum Tragen kommt. Unsere Vorfahren pflegten das Fest der Wintersonnwende, meist am 21. Dezember, drei Tage lang zu feiern. Der 24. Dezember war die erste sogenannte Rauhnacht. Die 12 Rauhnächte fanden im Verständnis unserer Vorfahren, die die Zeit nach Mondumläufen maßen, sozusagen außerhalb der Zeit statt. Ein Mondumlauf dauert 29,5 Tage. Mal 12, das sind 354. Es war den Priestern jedoch bewusst, dass ein Sonnenumlauf 365 Tage dauerte. Übrig blieben 11 Tage plus eine Nacht, die wieder in de Zeit „ein klinkte“. Folglich, so unsere Ahnen, musste die Zeit zwischen den Jahren (deswegen nennen wir sie heute noch so) außerhalb der Zeit stattfinden.

Da Zeit und übrigens auch Raum ihre Herrschaft über die Erde aufgaben, konnten die Götter über die Erde ziehen. Bekannt ist hier die „Wilde Jagd“, angeführt von Odin und Holda. Holda, die Frühlingsgöttin, „Mädchen, kaum zur Frau erwacht“ wie sie beschrieben wurde, ist nicht zu verwechseln mit der Frau Holle, die eine Auftrittsform von Hel, der Totengöttin ist! Kaum dass es dämmerte, so glaubte man, zog die unheimliche Jagdgessellschaft über den Himmel. Poltern, das Klingen der Pferdegeschirre und der Schlitten erfüllte die Luft. Auf manchem Dach landete ein Jäger, um nach dem Rechten zu sehen. Er kam direkt durch den Kamin. Fand er Licht, Speise und Trank, war er willkommen und revanchierte sich mit einer Gabe und dem „Jägersegen“. Dieser „Jägersegen“ bewirkte, dass Glück in kleinen Dingen zu Teil werde und dass „schweres Unglück das Haus im kommenden Jahr meidet“.

Modische Fragen beim „Hohen Jäger und dem himmlischen Kind“

Kam der Jäger, meist Odin selbst, zum Segnen des Hauses, so trug er leuchtend rote Kleidung als Symbol für die Kraft des Lebens. War er ungehalten, so war seine Kleidung braun und schmutzig. Wer sich hier an den Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht erinnert fühlt erkennt, wie diese Tradition sich durch die Christianisierung „hindurch gemogelt“ hat. Auch Holda erschien, im Brautkleid (weiß und golden), gekrönt als Zeichen der Herrschaft über die Zyklen des Lebens, um den Segen zu spenden, zu trösten und Hoffnung zu geben. Ja ich weiß, Sie kennen diese Figur. Und nun wissen Sie auch, warum das Christkind aussieht, wie es aussieht.

Es war übrigens ein Gebot der Götter, dass in der Zeit der Rauhnächte alle Arbeit ruhen musste. Die Menschen sollten diese Zeit nutzen, um zusammen zu sein, Geschichten zu erzählen und von der Last des Lebens zu ruhen. Alles, was in der Zeit gearbeitet wurde, war vergebens, denn es geschah ja außerhalb der Zeit. Ausschließlich Dinge, die dem Leben dienten, also das Pflegen und Versorgen der Familie zum Beispiel, waren zugelassen.

Warum der Weihnachtsbaum Lichter hat

Früher wurde der Weihnachtsbaum bereits zur Sonnwende aufgestellt. Ein Immergrüner Baum, der das Vertrauen in die Unendlichkeit des Lebens symbolisierte. Zum Zeichen ihres Vertrauens pflegten unsere Vorfahren am Sonnwendfest alle Wintervorräte aufzuessen, denn das neue Frühjahr würde gewiss kommen. Daher das Weihnachtsfestessen, welches sich bis heute bewahrt hat.

Früher kamen die Lichter erst am Abend des 6 Januar an den Baum, also der ersten Nacht, die wieder in die Zeit fällt. Holda, bei den Kelten heiß sie übrigens Briga, die Hüterin der Erde und der Menschen hört das Seufzen ihrer Kinder unter der grausamen Herrschaft des Winterkönigs. Sie beschließt, am Morgen des 06. Januar nicht mit zurück nach Asgard zu gehen, sondern zu bleiben und ihn zum Kampf um die Erde zu fordern. Die Menschen bittet sie, in dieser Zeit immer Licht zu brennen, damit sie rasten und sich erholen könne, der Winterkönig fürchtet nichts, außer Licht. Tag und Nacht kämpfen sie bis die junge Streiterin ihn schließlich besiegt, bindet und verbannt. Am 2. Februar erringt sie den Sieg über den Winterkönig. Nun rastet sie bei den Menschen für einige Tage, die ihr zum Dank eine ausgelassene Feier arrangieren. Sie lärmen und verkleiden sich, um auch die letzten Truppen des Winterkönigs zu verjagen. Es wird gelacht, getanzt und geliebt. Heute nennt man das Fasching.

Symbolik, Tradition und Christentum

Unsere Vorfahren lebten nicht mehr oder minder mit der Natur wie wir das heute tun, sie verstanden sich als Teil der Natur. Um die großen Wunder um sich herum, die Werke von Göttern sein mussten zu verstehen, entwickelten sich die Mysterien und Bräuche. Als die Christianisierung des kelto-germanischen Raumes begann, sahen die Missionare zunächst kein Land. Selbst die Androhung von Waffengewalt half nicht. Wie man heute weiß, gingen Kelten und Germanen lieber zu Hunderten in den Tod, als ihre Traditionen und die Alten Götter zu verraten. Also wurden viele Bräuche, darunter Weihnachten, Ostern und Erntedank, christianisiert und erhalten.

Vermutlich wusste bereits Kaiser Constantin, dem wir den Kanon in der Bibel zu verdanken haben, dass es so kommen würde und wählte die Evangelien entsprechend aus. Das Römische Reich befand sich im Zusammenbruch, es war einfach zu groß geworden. Besonders die Germanen, die sich mehr und mehr zusammen schlossen, stellten die größte Gefahr von Außen dar. Es brauchte etwas Einigendes, zum Beispiel eine neue Staatsreligion. So wurde das Christentum, von dem Jesus selbst übrigens nie wollte, dass es zur Religion würde, gegründet, als diplomatischer Schachzug.

Diese historische „Herkunftsauskunft“ soll das Christentum in keiner Weise schmälern, jedoch erklärt es, warum heute genau genommen eine Art „Religions-Mix“ betrieben wird, wie es im Römischen Reich üblich war.

Noch heute heißt es, man solle auf seine Träume in den Rauhnächten achten, denn sie zeigen, was im kommend Jahr geschehen wird. Auch empfinden die allermeisten Menschen die Zeit zwischen den Jahren, als besonders, losgelöst vom Alltag. Ich kenne die Rauhnachtbräuche von meinen Großeltern. Wie es mir erzählt wurde, will ich eine Tradition fortsetzen: Zu jeder Rauhnacht erzähle ich Ihnen hier im Blog eine Geschichte. Schließlich soll man im Haus sein, sobald es dämmert, damit man nicht versehentlich die Jäger sieht und mit ihnen gehen, oder wahnsinnig werden muss. Lassen Sie mich Ihnen die langen, unheimlichen, magischen Nächte verkürzen, seien Sie willkommen an meinem Feuer und lauschen Sie. Möge Ihnen allen der Segen der Weihnacht zu teil werden, und das neue Jahr Ihnen Glück und Zufriedenheit bringen.

Hinterlasse einen Kommentar »