Wie im richtigen Leben

Mal zum Lachen, mal zum Weinen; mal grau, mal bunt…Wie im richtigen Leben eben

Alle Jahre wieder….

Adventslicht Bild: Wolfgang Dierscherl/pixelio.de

Adventslicht Bild: Wolfgang Dierscherl/pixelio.de

…naht die Weihnachtszeit. Offiziell das Fest der Liebe, die stille Zeit und welch andere romantische Bezeichnungen der 24. Dezember noch hat ist es, real existierend, für viele Menschen immer wieder eine Nervenzerreissprobe. Neben all den Feiern in Schulen, Kindergärten, Betrieben und natürlich dem Häkelkreis, steht der Geschenke-Stress an. Wer bekommt was? Kann man es tatsächlich wagen, dem Teenie-Nachwuchs „nur“ ein Buch zu schenken, oder muss es doch mindestens das neueste Iphone und am Besten noch ein Tablet-PC dazu sein? Jedes Jahr warten Eltern herzklopfend auf die Reaktion der jungen Herrschaften, ob das Weihnachtsgeschenk huldvollst Gnade findet. Finden Sie es nicht auch jedes Jahr wieder einfach nur würdelos, wenn die „liebe Verwandtschaft“ sich darüber auszutauschen beginnt, wie teuer ein erhaltenes Geschenk wohl war und wie sehr es so gar nicht zu dem finanziellen Wert, des gegebenen passt?

Im Web auf Youtube macht derzeit ein Video die Runde, auf dem ein amerikanischer Teenager völlig hysterisch wird, weil sie ein WEISSES Iphone bekommen hat! Sie wirft damit herum und plärrt aus Leibeskräften in die Welt, wie sehr sie ihre Eltern nicht hasst. Was zunächst lustig aussieht, ist leider inzwischen symptomatisch geworden und treibt mir persönlich jeglichen Humor sofort und nachhaltig aus. Lebe nur ich in einer Welt voller Unsicherheit, drohender globaler Konflikte, harter Arbeit und ständigem Kampf ums Überleben? Sehne nur ich mich nach ein paar wenigen Tagen Auszeit, in denen der größte Aufreger vielleicht mal ein ausgefallenes Lämpchen an der Lichterkette ist?

Weihnachten – das Fest der Liebe auch zu sich selbst

Und dann war da noch die Verwandtschaft. Das ganze Jahr kümmert man sich nicht umeinander, und zu Weihnachten fallen sie beim „Auserwählten“ ein, wie eine Horde hungriger Heuschrecken. Man HAT seine Schwiegerleute lieb zu haben und die nervtötende, schwatzhafte Tante, die jede Gelegenheit nutzt einen schlecht zu machen, natürlich auch. Ganz zu schweigen von den frechen, unerzogenen Gören der anderen Tante! Alle Konflikte und schwelenden Unklarheiten werden elegant tot geschwiegen, am Besten noch mit einem roten Schleifchen drum bis… ja bis es nach dem dritten oder vierten Glühwein dann ordentlich kracht. Wenn Sie Lust haben, schauen Sie doch mal, wie viele Polizeieinsätze in der Heiligen Nacht wegen Familienzwistigkeiten stattfinden, Sie werden staunen!

Warum tut man sich das jedes Jahr immer wieder an? Weil es erwartet wird, weil es sich gehört, weil man das immer so gemacht hat…setzen Sie die nichtssagenden Begründungen gerne weiter fort. Das Fest der Liebe kann also nur stattfinden, wenn ein paar Menschen, Sie, ich oder auch die Nachbarn, die Liebe zu sich selbst völlig vergessen?? Und was dabei raus kommt ist oft genug eine Farce, ein Zerrbild der Liebe, gar eine mühsam aufrecht erhaltene Liebes-Lüge.

Wäre es nicht wesentlich liebevoller der Verwandtschaft in aller Ruhe aber deutlich zu sagen, dass sie dem Weihnachtsessen in diesem Jahr genauso fern bleiben können, wie dem Schulabschluss der Kinder im Sommer, oder auch dem Krankenbett des Ehepartners im vergangenen Herbst? Nun, es wäre ehrlicher, so viel ist sicher. Und es WÄRE liebevoller, ein Akt der Selbstliebe nämlich. Sagte nicht das „Geburtstagskind“, das wir zu Weihnachten feiern und nicht ganz vergessen sollten in etwa: „Liebe deinen Nächsten so wie dich selbst…“?

Weihnachten – die Heilige Nacht

Wie bitte? Sie lachen?? Nun, versuchen Sie doch einmal Folgendes: Wenn spät am Abend die Glocken zur Mitternachtsmesse läuten, machen Sie alle Lichter aus. Nur der Christbaum leuchtet, nehmen Sie Ihre Liebsten an der Hand, gehen Sie an das offene Fenster und lauschen Sie still dem festlichen Glockengeläut. Sie spüren alleine beim Lesen schon schmerzhafte Sehnsucht und Tränen in den Augen? Nun, DAS ist Weihnachten. Diese paar Minuten können sozusagen ein richtiges „Weihnachts-Konzentat“ sein, dass Sie noch lange als leuchtenden Funken in sich spüren. An Weihnachten wurde den Christen der Heiland geboren, die Heiden feiern die Wiederkehr des Lichts und damit den Triumph des Lebens und der Hoffnung. Erlauben Sie sich doch einfach mal in diesem Jahr, das auch zu tun. Und sei es nur für ein paar Minuten, wenn die Weihnachtsglocken läuten…Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten und dass die Zeit dahin für Sie so manches Glitzern und Funkeln beinhaltet. So wie damals, als wir noch klein und der Advent und Weihnachten noch die Zeit voller Zauber und Licht waren.

 

Weihnachtsmagie gestaltet von Didi01/pixelio.de

Weihnachtsmagie gestaltet von Didi01/pixelio.de

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Teenager und das Internet: (K)eine verhängnisvolle Affäre?

Im Netz gefangen? BIld: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Im Netz gefangen? BIld: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Sehr viele Haushalte sind inzwischen online. Dass jeder seinen eigenen Internetzugang hat, ist nichts Neues mehr und Internet und Computer haben oft schon in der Grundschule, spätestens aber in den weiterführenden Schulen einen festen Platz. Ganz klar: Unsere Welt ist vernetzt. Das bietet sicherlich große Vorteile und für die Zukunft unserer Kids ist es wichtig, schon früh den Umgang mit Computern und dem Internet zu lernen.

Doch hat die schöne, bunte Mulitmedia-Welt auch Tücken. Wissen Sie, was Ihr Sprößling in seinem Zimmer vor dem PC treibt? Nein?? Richtig unangenehm kann es werden, wenn Sie zum Beispiel die Polizei anruft und Ihnen mitteilt, sie würde gern mit Junior reden, weil er mit einem Zahlungsservice, der Gegenstand eines gewaltigen Betruges war, eingekauft hat. Oder auch, wenn Junior mal kurz entschlossen sämtliche Datenschutzrichtlinien, die Sie mit Ihm fraglos besprochen haben vergisst, und ein Dritter, der von Ihrem Sprößling die fraglichen Daten erhielt, Schindluder getrieben hat. Alles schon gesehen, glauben sie mir.

Aufklärung über Facebook, WhatsApp und Co.

Die exzessive Nutzung sozialer Netzwerke ist unter den 14- bis 25jährigen scheinbar mittlerweile völlig normal. Absolut alles wird gepostet, idealerweise noch mit Foto und GPS-Daten. Halten Sie sich nicht mit Begriffen wie „Bewegungsprofil-Erfassung“ oder dergleichen auf. Fragen Sie Junior stattdessen ob er oder sie wirklich möchte, dass die Hass-Lehrkraft, der Erzfeind aus der Klasse nur auf sein Facebook-Profil schauen muss um zu wissen, wo sich Junior aufhält und was er macht. Möchte er/sie wirklich „Munition“ für die nächste Mobbing-Aktion liefern? Wie wäre es mit einem Shitstorm, einer gewaltigen Masse an gemeinen und erniedrigenden Bemerkungen, der sich über ihn/sie online ergießt? Und potentiell die ganze Welt liest mit. All das ist möglich und durchaus denkbar.

Noch wichtiger wird Folgendes: Was immer Junior über Facebook, Twitter, WhatsApp und Co postet, ist nicht mehr seines! Beim Anhaken der ABG gibt der User das Recht am eigenen Bild, sowie sämtliche Urheberrechte mehr oder minder vollständig auf. Sollten Bilder gepostet werden, auf denen eine andere Person eindeutig erkennbar ist, oder auch Daten, die eine Identifizierung zweifelsfrei möglich machen (Achtung: Autokennzeichen, oder Adressen!!) so stellt dies eine massive Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Person dar und kann mal richtig teuer werden. Eltern haften hier für ihre Kinder.

Schutz oder Zwang?

Wie lange sollte ein Kind eigentlich im Web sein? Darüber scheiden sich die Geister, doch wesentlich relevanter für mich, und vermutlich auch für Sie ist doch, wie lange er oder sie sich dort tatsächlich aufhält? Spätestens wenn Internetspiele, zum Beispiel meine absoluten „Lieblinge“ die MMORPGs im Spiel sind wird es Zeit, ein bisschen im Router herum zu stellen. Versuchen Sie gar nicht erst, an die Vernunft des Teenies zu appellieren, geschickt platzierte Lichteffekte, die übrigens das Belohnungs- und Suchtzentrum im Gehirn stimulieren, sorgen für jegliche Abwesenheit von Vernunft, wenn gespielt wird. Hier hilft nur, den Slot (Zugangspunkt für ein Gerät) mit Zeitschaltung zu versehen, damit er abgeschaltet wird. Dies sollte spätestens eine Stunde vor der Schlafenszeit geschehen.

Verlassen Sie sich darauf, Ihr Sohn oder Ihre Tochter wird sich garantiert nicht dafür bei Ihnen bedanken. Leider ist meist ebenso sicher, dass es anders nicht geht. Aus „nur noch fünf Minuten!“ werden Stunden und plötzlich ist es 23:00 Uhr und Ihr schulpflichtiges Kind sitzt immer noch am Spiel. Bemühen wir hier die Neurophysiologie ein bisschen: Die bereits erwähnten Licht- und Soundeffekte haben einen direkten Einfluss auf die Gehirnchemie. Es gibt Versuche bei denen etwa die Adrenalin (Stress)- oder auch Dopamin (Euphorie)- Ausschüttung gemessen wurde. Manche Spiele erreichen hier beachtliche Werte, vergleichbar mit Kampfpiloten im Einsatz. Beide Hormone sorgen für die Unterdrückung von Serotonin und Melantonin die nun Mal für Schlaf und Entspannung nötig sind. Manche der getesteten Spieler brauchten 2 Stunden (!) um so weit „runter zu kommen“, dass sie auch nur fünf Minuten still sitzen konnten!

Es ist also völlig sinnlos, den Teenie mit gewaltigem Theaterdonner, vielleicht noch unter Wegnahme wichtiger Kabel, direkt ins Bett zu scheuchen, er oder sie wird unter Umständen stundenlang brauchen, um auch nur in die Nähe des Einschlafens zu kommen. Weiter hat sich gezeigt, dass regelmäßiger oder gar täglicher Konsum der fraglichen Spiele die Schlafqualität nachhaltig beeinflusst. Aus eigener Erfahrung darf ich Sie versichern, dass dann ganz gern auch im Traum noch „weiter gezockt“ wird.

Fact or Faked??

Sowohl in sozialen Netzwerken als auch bei den meisten Onlinespielen haben die Teilnehmer ein Profil. Wenn Papier schon geduldig ist, was ist dann erst das Internet? Es gibt absolut keine Möglichkeit, die Richtigkeit von Profilen überprüfen. Es gab bereits mehrere Fälle, in denen Kinderschänder als Kinder oder jugendliche Facebook-Nutzer oder Online-Spieler auftraten und sich so das Vertrauen der Kids erschlichen.

Eine andere Gefahr ist die Emotionale: Kids glauben, was sie lesen oder hören. So haben sie plötzlich einen „Bro“ oder eine „Sis“ auf Facebook oder auch in einem Online-Spiel. Bis, ja bis, sie dem fraglichen User nichts mehr bedeuten oder ordentlich abgezockt wurden. Dann ist nichts mehr mit „Bro“ oder „Sis“ und Ihr Kind hat ein gebrochenes Herz. Weint vielleicht, leidet aber auf jeden Fall unter einer gewaltigen menschlichen Enttäuschung. Von virtuellen Beziehungen will ich hier gar nicht anfangen, glauben Sie mir, das Drama ist nicht kleiner als beim Zerbrechen einer „Real-Life“-Beziehung.

Es wird Zeit, dass die virtuelle Erziehung, also eine genaue und sorgfältige Aufklärung über Datenschutz, angemessenes Verhalten im Web und vor allem die totale und gnadenlose Öffentlichkeit, in die sich Ihr Kind begibt, möglichst früh einzubauen. Dabei geht es nicht darum, die Kinder misstrauisch zu machen oder gar ganz aus dem Netz fernzuhalten. Vielmehr sollten wir verständnisvoll und offen sein, wenn dem Kind etwas komisch vorkommt. Alarmiert sollten wir sein, wenn Treffen mit „online-Kumpeln“ anstehen und erst recht, wenn sich das Verhalten des Kindes ändert.

Übrigens: Es ist keine Schande, wenn wir als Eltern erst Mal viel lesen müssen, vielleicht sogar Beratung in Anspruch nehmen. Und es ist vielleicht gar nicht so verkehrt, das eine oder andere Spiel auch einmal zu spielen. Der Weg ins Herz von Menschen jeden Alters heißt „Verständnis“. Also machen wir neue Erfahrungen mit den Kids, damit wir sie wirklich begleiten und nicht nur „zurecht stutzen“ können.

Die „Affäre“ mit dem Web muss gar nicht verhängnisvoll sein. Ich kenne da einen Teenager, der das Web nutzt, um seine Sportbegeisterung zu teilen. Was er schreibt, ist lesenswert. Gleichzeitig übt er Deutsch und das Einnehmen eines anderen Standpunktes. Wie das aussieht? Schauen Sie selbst!

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„Wie man sich bettet….

Nicht nur Vögel bauen Nester...Bild: La-Liana/pixelio.de

Nicht nur Vögel bauen Nester…Bild: La-Liana/pixelio.de

…so liegt man“, weiß ein altes Sprichwort. Das gilt auch und im Besonderen für Familien, respektive das Beziehungsgeflecht in einer Familie. Wenn sich ein Elternteil konsequent „aus allem raus hält“, sprich der Ansicht ist, physische Anwesenheit und allenfalls noch „konstruktive Kritik“ (tatsächlich meist nur Genörgel) sei DER Beitrag darf sich nicht wundern, wenn die Familie irgendwann anfängt, um dieses Familienmitglied herum zu funktionieren.

Leider ist es immer noch oft so, dass entweder Vater oder Mutter für die Erziehung zuständig ist, der jeweils andere Elternteil sieht sich von seinen Pflichten, die übrigens auch Möglichkeiten sind, befreit. Der freigestellte Elternteil weiß es dann allzu oft natürlich immer besser, ist aber meist so wenig in die Abläufe und Entwicklungen involviert, dass er keine Ahnung hat, wie eine Situation entstanden ist, allenfalls die Ergebnisse sieht und beurteilt. Warum ist das so?

Bequemlichkeit, die ihren Preis hat

Zugegeben, bis die Kinder weit im Teenageralter sind, ist Erziehung richtig Arbeit. Frustrierend, oft an den Nerven zerrend und nicht selten eine „Endlos-Schleife“. Was glauben Sie, wie lange Sie brauchen, einem sagen wir 10jährigen verständlich zu machen, dass man Hausaufgaben jeden Tag machen muss? Da ist es doch richtig toll, wenn man sagen kann, „Nicht mein Problem, mein Mann/meine Frau kümmert sich um all das, ich gehe ja schließlich arbeiten“, nicht wahr? Schwierig wird es dann halt, wenn diese Konstellation zu funktionieren beginnt. Der sich raus
haltende Elternteil vergisst bei aller Bequemlichkeit nämlich einen wichtigen Aspekt: Hält er oder sie sich raus, ist er oder sie nicht präsent. Die Dinge fangen also an, ohne sie oder ihn zu funktionieren.

Er oder sie begibt sich in die Position „5. Rad am Wagen“. So lange das alles schön angenehm ist, schließlich hat man ja Feierabend, wenn Feierabend ist, ganz im Gegensatz zum aktiven Elternteil, macht das alles nichts. Leider ist es aber so, dass man aus dieser Position, wenn man sie denn lange genug eingenommen hat, nicht mehr nach Belieben raus kommt. Was, wenn Familienzeit ist? Was, wenn man sich als Fremdkörper erlebt? Etwa weil der aktive Elternteil der Vertrauensträger ist, der andere allenfalls informiert wird? Ja dann, fängt das Ganze ordentlich an zu zwicken. Viele inaktive Elternteile schalten dann auf stur: „Dann eben nicht! Ich ziehe mich zurück, ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!“ Wenn sie dann sehen, dass überhaupt nichts passiert, weil sie nur weiter treiben, was sie die ganze Zeit schon taten, wird es richtig unerfreulich.

Man bekommt, was man gibt

Eine Familie kann als Team, als Bande gesehen werden. Eine verschworene Gemeinschaft voller Vertrauen. Einer für alle und alle für Einen, so stellt man sich, Schulter an Schulter dem Leben. Nun, idealerweise ist das auch so. Und dann tobt es eben, das Leben. Und all die Streiter, Lernenden, Siegenden und Verlierenden, die das Schulter an Schulter Jahr um Jahr tun, werden zusammen geschmiedet. Man versteht sich blind, ein Blick, eine Geste sagen mehr als ein minutenlanger Vortrag, weil man seit Jahren zusammen durch Feuer und Wasser geht. Hat sich ein Elternteil immer raus gehalten, wird es allergrößte Schwierigkeiten haben in diese „Gang“ die über die Jahre entstanden ist, hinein zu schlüpfen. Da reicht es nicht, mal einen Tag engagiert Vater oder Mutter zu sein und alles ist gut.

Kinder sind in dieser Hinsicht gnadenlos: Was wir als Eltern ihnen geben, bekommen wir zurück. Und zwar eins zu eins, so wie es die Kinder erlebt haben. Das sollte nicht vergessen werden. Ist die Mutter der Tochter nicht genau das, Mutter vom ersten Tage an, braucht sie nicht darauf zu hoffen, irgendwann verschworene Vertraute ihrer Tochter zu sein, wenn die zur jungen Frau wird. Für Väter und Söhne gilt das Gleiche. Übrigens auch für Väter und Töchter und Mütter und Söhne. Möglicherweise ist das einer der Gründe, warum viele Familien zerbrechen, wenn die Kinder größer werden: Weil wir Eltern dann in den Spiegel schauen müssen, den und unsere Kinder vorhalten. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum viele Ehen nach dem Erwachsenwerden der Kinder zerbrechen: Die berechtigte Frage des aktiven an den inaktiven Elternteil: „Du hast die Jahre der Arbeit, des Kämpfens, des Hoffens und Verzweifelns nicht mit mir geteilt. Die Jahre, in denen ich so gut wie keine Rolle mehr spielte, weil ich ich zuerst und zuletzt Mutter/Vater war und zwar weitgehend allein. Warum sollte ich jetzt die Zeit, da wieder Raum für mich ist, mit dir teilen?“

Leider kommen solche Überlegungen meist erst dann, wenn es zu spät ist. Vielleicht sollten wir alle die gesellschaftlichen Möglichkeiten, wirklich Eltern zu sein, gemeinsam, mal ein bisschen mehr nutzen. Vielleicht sollten wir, wenn wir da sind, am Wochenende oder auch abends, wirklich da sein. Die Einlassung, man werde vom Job aufgefressen und habe keinen Raum für die Vater- oder Mutterschaft, vielleicht ja im nächsten Urlaub mal, kann sich mit den Jahren als das berühmte „sägen an dem Ast, auf dem man sitzt“ erweisen. Denn es entscheidet bei gemeinsamer Zeit nicht die Quantität, sondern die Qualität. Und, Stichwort Job: Könnte das alles am Ende besser zu ertragen sein, wenn man daheim ein Nest hat, in dem man seinen Platz hat? In dem man ruhen, kuscheln, halten und gehalten werden darf? Inaktive Elternteile sparen sich viel Arbeit, Nerven und Zeit. Aber sie „ersparen“ sich damit ebenso das Nestgefühl. Ob das wirklich so von ihnen gedacht war?

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